Binches.

Binches sind den vieux points de flandre nahe verwandt, sie haben wie diese keinen eigentlichen réseau, sondern jenen verschwommenen, aufgelösten Maschengrund, der den alten belgischen Spitzen ihr Gepräge gibt. Es sind in ihrer Einfachheit reizende, phantastische Spitzen; es ist als ob ein dichter Schneefall, durch die Klöppelmalerei wiedergegeben würde, große, kleine und ganz kleine Flocken haben sich sachte um eine Ranke wie eine Eisblume festgesetzt, denn so natürlich und scheinbar kunstlos sieht der point de neige aus; die Zeichnung paßt sich dieser Zartheit an, wie ein Netz aus Fäden von gesponnenem Zucker, wie der Schatten eines gefiederten Baumes, der an einer weißen Wand hin- und hergleitet; wie ein Spinngewebe zwischen Zweigen in der Luft gespannt sieht sie sich an, es sind Elfenspitzen. Der Faden ist von außerordentlicher Feinheit.

Flach, ohne Cordonet, mit einem sehr losen Leinwandgrund, nur mit point de neige und hie und da einer ganz kleinen Maschengruppe ähnlich den fond chant als jour verwendet, wirken sie durchaus nicht monoton; zart und duftig gehören sie dennoch in die Familie der haltbarsten, der geflochtenen Spitzen; wo nur irgendwo vier Fäden zusammenlaufen, vereinigen sie sich zu einem losen Zöpfchen.

Meistens haben sie einen geraden Rand, der nur durch die picots abgeschlossen ist, die Zeichnung ist auch größtenteils wie für ein entre-deux komponiert. Das toilé bildet nicht den Rand. Obwohl die größte Mode der Binches knapp vor die französische Revolution fiel, sind ihre Muster doch die der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts geblieben. Was heute an Binches gemacht und so genannt wird, verdient kaum den Namen, sie sind schwer und in derber Ausführung und sehen eher den point de Flandres ähnlich. Point de neige, wie sie auch genannt wurden, gehören leider, wie so vieles Schöne, der Vergangenheit an.

In der Stadt Binches wurden sie schon seit langem durch die Allerwelts-Brüsslerapplikations verdrängt. Die besseren Arbeiterinnen wanderten zur Zeit der Krisis nach Flandern aus und nahmen das Geheimnis ihrer Technik mit.

In Binches aber soll am Karnevalstag des Gilles mit einer mächtigen Ruche aus dentelles de Binche spazieren gehen, der letzte Rest einer verschwundenen Pracht. Sic transit gloria mundi.


Point de Paris.

Ursprünglich wurden in der Umgebung von Paris ganz gewöhnliche Klöppelspitzen gemacht, lisette, mignonette und gewöhnliche Guipuren. Gleichzeitig mit der Gründung der Industrie in Reims, Sedan, Alençon etc. wurde von Colbert auch eine Fabrik im Château de Madrid bei Paris eingerichtet und nun gestalteten sich die Spitzen aus. Als im XVIII. Jahrhundert die große Nachfrage in Malines war, und gerne von Minderbemittelten ähnliche aber billigere Spitzen gekauft wurden, kamen die Lilles und points de Paris auf und es wurden diese Spitzen, wie sie noch jetzt gemacht werden, erzeugt. Die points de Paris tragen zu sehr den flämischen Typus, sind nebstbei Epigonenspitzen, als daß man sie aus dieser Gruppe ausschalten könnte. Ihr fond chant oder fond de Paris, derselbe wie die Chantillyspitzen, scheint zwar absolut französisch zu sein, ist es aber nicht so sehr, als man meinen könnte, denn der fond double, wie er auch meistens genannt wird, wurde von jeher an dem urflämischen Pottenkant verwendet. Es ist ein sogenannter Spellegrund, ein Réseau, das mit Hilfe von Stecknadeln angefertigt wird, und zwar aus zwei diagonalen und einem horizontalen, sich kreuzenden Fadenpaare. Es sind Spitzen, die sich niemals durch allzugroßen Ideenreichtum in der Zeichnung hervortun. Meistens werden sie auch ziemlich gewöhnlich und in grober Ausführung gemacht. Ihr toilé ist wie das der Malines und Lille von einem Cordonette umgeben und oft haben sie jours in points de Lille.