Ich verweise auf die Werke von Allan Cole, A. M. S., Bury Paliser, Dreger etc.
Die Originale der abgebildeten Spitzen befinden sich zum Teil im Besitze der Damen: Frau Anna von Herz-Hertenried, Frau Fanny Kobeck-Steyrer, Frau Löw-Unger und ich spreche diesen Damen hiermit meinen besten Dank für die freundliche Überlassung der Spitzen zum Zwecke der Abbildung aus.
Spitzen.
Nichts ist so sehr vom Weibe, für das Weib geschaffen, wie die Spitzen. Nichts kleidet die Frau jeden Alters – ob Kind oder Greisin – besser und lieblicher als die Spitzen. – Nichts aber auch ist in der Arbeit selbst so symbolisch weiblich, wie dieser schönste und edelste Schmuck, dessen Anfertigung hingebende Geduld und rastlosen Fleiß erheischt: Zu stillem, weltfremden Lebenswandel gezwungen, arbeitet und müht sich die Spitzenarbeiterin ihr Lebelang für andere! – Es wäre daher nur zu begreiflich, wenn die Frauen stolz wären auf dieses ihr eigenstes Gebiet, auf welchem sie noch niemals vom Manne überholt wurden, das so originell und künstlerisch hochstehend ist. – Und dennoch ist eben in den letzten Jahrzehnten eine gewisse Stagnation in diesem Zweige echt weiblicher Kunstfertigkeit zu bemerken, deren Grund wohl nicht allein in der Nachahmung durch die Maschine, sondern gewiß auch in tiefergehenden soziologischen und ökonomischen Momenten zu suchen ist.
Ein geistreicher Franzose hat das XIX. Jahrhundert »das Zeitalter des Talmis« genannt – Preßglas, Pakfong, Kunstmarmor und eine Unzahl anderer Imitationstechniken und Pseudomateriale versuchten die Erzeugnisse auf den betreffenden Produktionsgebieten zu überholen, im Preise zu unterbieten, und deren Nachahmungen als Massenartikel breiten Schichten zugänglich zu machen.
Als naturgemäße Reaktion gegen diese mißverständlich demokratische Tendenz sehen wir in eben demselben Jahrhunderte den Sammelgeist wie noch nie erwachen: Edle Bronzen, echte Teppiche, geschliffene Gläser, all die zahllosen Betätigungen längst dahingegangenen Kunstfleißes kamen zu noch nicht dagewesener leidenschaftlicher Würdigung. – Denn der Mensch hat – sei es die Schwäche, sei es den Vorzug, je verfeinerter er wird, desto mehr den Trieb sich aristokratisch von der Masse differenzieren zu wollen und den Besitz von Gegenständen eifrigst anzustreben, die nicht jedermann zugänglich sind und deren Erkenntnis und Genuß allein einen höheren Grad von Kultur voraussetzen. Merkwürdigerweise scheinen die Spitzen von dieser Strömung ausgeschlossen zu sein; wohl hat man noch selten so viele Spitzen getragen wie gerade jetzt; aber die Trägerinnen echter Spitzen sind zu zählen und Frauen, die sich schämen würden, falschen Schmuck anzulegen, schmücken ihre Kleider, ihre Wäsche, ihr Heim in unbegreiflicher Unbekümmertheit mit der Lüge der falschen Spitze! Der moderne Mensch hat offenbar das Verständnis für die Schönheit der echten Spitzen verloren und ist auf diesem Gebiete so ungebildet und abgestumpft, wie kaum einem anderen Kunstzweige gegenüber.
Früher klöppelten und nähten die vornehmen Frauen selbst, sie bildeten ihre Umgebung heran, ein fortwährender Meinungsaustausch bestand, der Ehrgeiz wurde geweckt, die Phantasie angeregt, und in diesem Wettbewerb erwuchsen die reizenden Blüten der alten Spitzenkunst.
Heute unterscheidet die Dame oftmals kaum die Nähespitzen von den Geklöppelten; sie versteht die Technik nicht, und so bleibt sie vor den schönsten Arbeiten gleichgültig. Aber ebenso wie die besten Bewunderer einer Bilder- oder Photographien-Ausstellung stets die Dilettanten sind, und das Publikum eines Pianisten meistens Selbstspielende im Konzertsaal bilden werden, ebenso würde erst dann die Dame die Spitzen voll genießen, wenn sie selbst dilettantisch Spitzen erzeugen würde; keinesfalls würde sie damit der Berufsarbeiterin Konkurrenz machen, sie würde nur mit erhöhter Neugierde den Schöpfungen ihrer ärmeren Schwestern gegenüberstehen. Wahre Freude und wirkliches Interesse kann zweifellos nur da vorhanden sein, wo ein gewisser Grad von Verständnis und Vorbildung für den Gegenstand gegeben ist: Ein derartiges Verständnis müßte sich gerade in unserem Falle sozusagen automatisch verbreiten, denn der Besitzerin und Trägerin von schönen Spitzen genügt es nicht, daß sie allein deren Wert kennt, sie möchte auch das Interesse ihrer Umgebung dafür wecken. – So war es einstens, so ist es heute noch in weit höherem Maße als bei uns zu Lande in Frankreich, in Belgien, in England. –