Euer Liebden treue schwester
Catarina etc.
Nur zu einer allgemeinen Vorstellung von der Gestalt der Gegnerin Albas kann uns das verhelfen, was man 1875 vorfand, als ihr Grab in der Stadtkirche aufgedeckt wurde. Ihre Größe betrug nicht ganz 1,70 Meter, und ihre Ringe, Weite 17, entsprechen einer kräftigen Frauenhand. Es sind drei fadendünne Reifen, zwei aus Silber, einer aus Gold, die samt Resten von brauner Seide und gemustertem Sammet in der Heidecksburg als Reliquie aufbewahrt werden.
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Im Jahre 1572 erbte Graf Albrecht VII. die Ämter Rudolstadt und Blankenburg, er wurde in der Folge Stifter der Linie Schwarzburg-Rudolstadt und Stammvater dieses Fürstenhauses. Kaum hatte er seine Residenz bezogen, als am 27. März 1573 das Schloß niederbrannte. In seiner Jugend hatte er auf deutschen und italienischen Universitäten studiert, dann am Hofe des Prinzen Wilhelm von Oranien gelebt und Kriegsdienste bei dem Könige von Dänemark genommen. Was er dabei an Schloßbauten als schön und zweckmäßig kennengelernt hatte, wird ihm nun bei dem Neubau seines Hauses vorgeschwebt haben. Schon nach drei Jahren konnte er die Gräfin Juliane von Nassau, die Schwester des Oraniers, als Herrin in sein neues Heim einführen. Auch seine zweite Ehe mit der reichbegüterten und heiteren Pfälzerin Elisabeth von Leiningen-Westerburg wird nicht ohne Einfluß auf die Ausstattung der Heidecksburg geblieben sein.
Bauteile dieser Periode dürften in den Untergeschossen des heutigen Südflügels und Westflügels zu suchen sein, und was von Schmuckformen die Zeit und neue Schadenfeuer überdauerte, fand pietätvolle Verwendung, so die schöne Portalumrahmung mit den fünf Statuen der Fürstentugenden vor dem Doppeleingang des Nordflügels.
Die Bautätigkeit Albrechts VII. setzten seine Söhne fort. Unter Graf Karl Günther wird das Reithaus die Form angenommen haben, die es noch heute im wesentlichen zeigt. Auch das Gebäude der Landesschule, heute Landesbibliothek, war sein Werk. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß der Pädagog Wolfgang Ratich in Karl Günthers Schloß Aufnahme fand als Lehrer bei den Sprachstudien seiner Gemahlin Anna Sophie, einer geborenen Prinzessin von Anhalt.
Reiche Bautätigkeit entfaltete der zweite Sohn, Ludwig Günther, als er 1630 den Bruder beerbte. Trotz Schrecken und Nöten der Kriegsjahre führte er in glänzender Weise die Erneuerung der Stadtkirche aus. Bis an die Schwelle des Greisenalters war er ledig geblieben, da führte das Schicksal eine stattliche blonde Gestalt in sein Haus zur Feier einer Taufe, die ein verwandtes Ehepaar hier ausrichtete. Amilie Antonie von Oldenburg-Delmenhorst gab rasch entschlossen seiner Werbung nach und bewährte sich bald als geistiger Mittelpunkt eines werktätigen und ernst religiösen Lebens im Zeitalter Speners und im Sinne August Hermann Franckes.
Von 1639 bis 1646 schenkte sie ihrem Gatten vier Töchter und einen Sohn, dann zog sie, die Tochter der weiten norddeutschen Ebene, als Witwe in das enge Waldtal von Leutenberg. Dort stand ihr als Wittum die Friedensburg zu. Mit weitem Blick und in fleißigem Tagewerk verwaltete sie ihre Güter. Ihre Kinder, dazu ihre Pflegetochter Amilie Juliane von Barby, erhielten unter ihrer Aufsicht eine musterhafte Erziehung für das tägliche Leben und eine wissenschaftliche Bildung, die der Zeit weit vorauseilte. Ihre Liebe für Kunst und Handwerk bewies sie in Aufträgen, soweit sie nur mit ihren Mitteln ausführbar waren, und mit der Bevölkerung wuchs sie zusammen in Freud und Leid der drangvollen Jahre. Lehrer ihrer Kinder, Geistliche in ihrer Nähe, Beamte ihres Haushalts, ein geschlossener Kreis Gleichgesinnter, gehören der Geschichte des evangelischen Kirchenliedes an und vererbten religiöse Dichtung bis auf Kindeskind (s. Rein, Die Friedensburg. Greifenverlag 1925).
In der Heidecksburg sind sechs große kulturhistorisch merkwürdige Bilder aus ihrer Oldenburgischen Erbschaft übriggeblieben. Sie stellen die Sage von einem Gottesurteil dar und fanden mehrmals Besprechung in der Literatur, zuletzt 1921 in der Wilhelmshavener Zeitschrift Tide. Außer Einzelporträten nach dem Leben ist ein Bild von Amilie Antonies Kindern in großem Format vorhanden und eine idealisierte Familiengruppe unter dem Kreuz Christi.