Um lyrische Dichtung legt die Sage gern einen epischen Mantel. Das widerfuhr auch dem Sterbelied Amilie Julianes. Als am 19. September 1686 Herzog Johann Georg von Eisenach auf der Jagd vom Schlage getroffen tot zusammengesunken war, brachte man das Lied mit diesem Ereignis in Verbindung und nannte einen Geistlichen in Gräfentonna als Verfasser. Ein Konzept der Gräfin in der Kirchenbibliothek von Gera trug die Überschrift: Neuhaus, den 17. September 1686. Danach erzählte der Volksmund von einem Jagdunfall in Neuhaus. Die neuere Forschung hat aus den Gedanken und Wendungen des Liedes die innere Verwandtschaft mit den übrigen Gesängen der Dichterin nachgewiesen. Eines besonderen Ereignisses als Anlaß zu Todesgedanken bedurfte es in Kriegs- und Seuchenzeit nicht. Der Lebensweg der Gräfin war eingefaßt von Totenkreuzen, sie blieb schließlich die Letztüberlebende ihrer Barbyschen Familie, und in Rudolstadt starben drei ihrer Pflegeschwestern und Schwägerinnen erschütternd kurz nacheinander, darunter die ihr geistig nächstverwandte Ludämilie Elisabeth, die Dichterin jungfräulich zarter Glaubenslieder. Unter dem Eindruck solcher Erlebnisse wird auch ihr Lied entstanden sein:
Werde munter, mein Gemüte,
Und schau diesen Zustand an,
Wie des Höchsten Wundergüte
Großes hat an mir getan:
Es geschieht, was er gebeut;
Alles ja hat seine Zeit,
Sterben und geboren werden
Bleibt ein Wechsel dieser Erden.
Ein Geschlechte muß vergehen,