Machst du’s mit meinem Ende gut.

Ein Porträt Amilie Julianes nach dem Leben hat sich auf der Heidecksburg erhalten. Es stellt ihren Charakter glaubwürdig dar: feste geschlossene Züge, Gewand und Schmuck nicht weltfremd, klares Auge. Albert Antons Hofmaler war Seyfried Lammers aus Nordhausen. Unter seinem Namen wurde bisher alles zusammengefaßt, was uns jene Zeit an Bildern hinterlassen hat. Doch sind nach den Rentereirechnungen und Kirchenbüchern zwei Maler gleichen Namens auseinanderzuhalten als Vater und Sohn. Dem jüngeren von beiden werden zwei stark idealisierte Bilder Amilie Julianes zuzuschreiben sein. Sie zeigen die Dichterin als Freundin des Lammes und als Braut Jesu, mit viel Beiwerk von Sinnbildern und Sprüchen.

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Unter Ludwig Friedrich, dem Sohne der Dichterin, 1710–1718, bereitete sich neue Zeit vor. Er veröffentlichte die Erhebung der Rudolstädter Linie in den Fürstenstand. Im Geiste seiner Eltern sorgte er für das Waisen- und Armenwesen. Sein Fürstentum wurde Beamtenstaat, und seine Residenzstadt vergrößerte sich durch Wohngebäude, die, behäbig breit angelegt und mit weiter Torfahrt versehen, daran erinnerten, daß die Hausherren zugleich auch Gutsbesitzer auf dem Lande waren.

Wie die Heidecksburg als Barockschloß ausgesehen hat, zeigt ein Bild der Gräfin Ludämilie Elisabeth, wo der Blick auf Rudolstadt als Nebenszene dargestellt ist.

Rokokozeit auf der Heidecksburg

Die fürstlichen Bauherren bis 1793 waren dem Zuge ihrer Zeit entsprechend in französischer Bildung erzogen. Die Nachahmung Ludwigs XIV. stellte hohe Anforderungen an die Landesherren, sie mußten repräsentieren und sollten doch mit bescheidenen Mitteln haushalten.

Friedrich Anton, 1718–1744, bekannte sich persönlich noch zu der einfachen Lebensauffassung, die von den Großeltern her auf ihn vererbt war, mußte aber dem Drängen des Zeitgeistes nachgeben. Auf Staatsverwaltung und Hofleben wirkte das französische Vorbild machtvoll ein. Die Spannung im Volke löste sich in einem Landstreite aus, der bis vor den Reichshofrat in Wien ging und durch gutmütiges Entgegenkommen des Fürsten einen friedlichen Ausgang erhielt. Als technischer Berater kam 1720 der Dresdener Oberlandbaumeister Pöppelmann nach Rudolstadt und ließ durch seine Werkleute die südliche Einfahrt mit Säulen und Korbbogen und das Tunnelgewölbe zum Schloßhof ausführen. Die Periode großer Schloßbrände traf danach auch das kleine Rudolstädter Land hart. Das Stammhaus Schwarzburg ging in Flammen auf, und kaum war es wiedererstanden, als ein großes Schadenfeuer die Heidecksburg heimsuchte.

Der Bruder des Fürsten war voll in Anspruch genommen durch den Bau der Ludwigsburg, die 1735–1742 erstand und der voraussichtlich nicht zur Regierung kommenden Nebenlinie als Heim dienen sollte. Seine Schwester Sophie Juliane, Dekanissin von Gandersheim, half mit einem Vorschuß an die Baukasse aus.

Den Rohbau des Westflügels erlebte der Fürst noch. Im Hauptarbeitsjahr 1744 am 1. September verschied er, und sein erst dreiundzwanzigjähriger Sohn trat die Regierung an.