Johann Friedrich, 1744–1767, war von heiterer, sorgloser Natur, hatte wissenschaftliche und künstlerische Bildung in Frankreich und in den Niederlanden gefunden und wurde seinem Lande Reorganisator des Unterrichtswesens durch Gründung von Seminar und Gymnasium.

Auf den 19. November 1744 war seine Vermählung mit Bernhardine Christine Sophie von Sachsen-Weimar festgesetzt, deshalb galt es, für den Einzug der »Herzogin« namentlich den großen Festsaal zu einer gewissen Vollendung zu bringen. Als Schülerin ihres kunstsinnigen und baufreudigen Vaters Ernst August blieb sie die treibende Kraft für die Arbeiten auf der Heidecksburg, bis der Siebenjährige Krieg ausbrach, und sie am 5. Juni 1757 ihrem Gemahl durch den Tod entrissen wurde. Ihr eigener Geschmack ging noch auf Rokokokunst aus, doch machte sich bereits die neue einfache, englisch genannte, Richtung bei der Wahl von Zimmergeräten geltend.

Persönliche Gründe des jung verwitweten Fürsten und die allgemeine mißliche Zeitlage mochten dann zusammenwirken, daß nur die für den Haushalt nötigsten Arbeiten am Schloß und seiner Umgebung vorgenommen wurden. Als die ihm gebliebenen Kinder, zwei Töchter, vermählt waren, stand die Bautätigkeit gänzlich still.

In der Regierung folgte ihm sein Oheim Ludwig Günther, 1767–1790, der Erbauer der Ludwigsburg. In Holland, Frankreich und Italien für Friedens- und Kriegsberuf erzogen, trat er erst mit 59 Jahren die Erbschaft des Fürstenschlosses an. Wohngeräte mit seinem Namenszug und Bildnisse erinnern in mehreren Räumen an ihn.

Auch Fürst Friedrich Karl, 1790–1793, hatte sich noch in französischen Geschmack eingelebt. Der Naturkunde widmete er sein Studium, und das Naturhistorische Museum, wissenschaftlich weitergeführt, jetzt neu geordnet, ist ein Denkmal seiner Bestrebungen.

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Am 26. Juli 1735 war das Schadenfeuer auf der Heidecksburg ausgebrochen, es legte in zwei Tagen den Westflügel, den Nordflügel und Teile des Südflügels in Trümmer und Asche.

Landbaumeister von Rudolstadt war seit 1732 Johann Jakob Rousseau, vorher Königlich Polnischer Oberkonduktör, der neben Pöppelmann, Leplat, Longuelune und Knöffel noch 1726 unter den Künstlern am Schlosse Moritzburg aufgeführt wird. Seine Beziehungen zu den Dresdener und Warschauer Berufsgenossen legten es nahe, von dort Rat und Hilfe auch für die neuen unerwartet großen Aufgaben hier zu erbitten.

Eng befreundet mit Rousseau war der Hauptvertreter der jüngeren Dresdener Barockkunst, Johann Christoph Knöffel. Er kam Ende Oktober 1735 und blieb bis 8. November in Rudolstadt, im Winter arbeitete er dann einen Plan aus. Im Frühjahr empfahl er geübte Dresdener Werkmeister, die von 1736 an auf der Baustelle tätig waren und die Fühlung mit ihm aufrecht erhielten. Er entschied 1737 technische Fragen, wieweit Gewölbe in der Einfahrt des Westflügels und in den Kellern des Nordbaues beibehalten werden sollten, sandte Risse und Modelle zu Fenstern, begutachtete Rousseaus Entwurf für den Turm und übermittelte 1741 für die Innenräume Anweisungen und Schablonen zum Schmuck der Wände und Decken »mit französischem Laubwerk in grotesker Art«. Bis 1748 beantwortete er Rudolstädter Bitten durch gelegentliche Auskunft.

Einen zweiten Plan überreichte Anfang 1737 der Bauinspektor des Landgrafen von Ansbach, Johann David Steingruber, nachdem er im April des Jahres vorher die Brandstätte besichtigt hatte. Er wurde später bekannt als der Erneuerer der Moritz-Kirche in Koburg, als Erbauer der Pfarrkirche in Cadolzburg und als Architekturschriftsteller, scheint aber auf den Rudolstädter Bau keinen unmittelbaren Einfluß ausgeübt zu haben.