Großer Saal

Rousseaus Bauleitung läßt sich bis 1737 verfolgen, von da ab wuchs der junge Frankenhäuser Architekt Peter Kaspar Schellenschläger in die Bauaufsicht hinein. Sein Leben war erfüllt mit Leiden und Freuden des Schloßbaues, auch sonst ist seine Tätigkeit im Lande noch in manchen Spuren zu erkennen, so gab er dem Cumbacher Garten mit dem schönen Gittertor und dem Orangeriegebäude, jetzt Altersheim, das Gepräge.

Als eigentliche Seele des Schloßbaues ist vom 24. Mai 1743 bis zu seinem Tode 1756 der Herzoglich Weimarische und Fürstlich Eisenachische Landbaumeister Gottfried Heinrich Krohne anzusehen. In irgendeiner näheren geistigen Beziehung zu den Dresdener Baumeistern muß auch er gestanden haben. Der Aufbau des Südflügels, der Oberbau des Turms, die Innenausstattung des Westflügels und wiederholt veränderte Pläne für den Nordflügel sind sein Werk. Viel beschäftigt mit Bauten in Eisenach, Gotha, Weimar, Jena, Burgau, Dornburg, Molsdorf, Stützerbach und Zillbach, suchte er dennoch Rudolstadt oft persönlich auf, reichte Arbeitspläne ein, sandte Einzelentwürfe, empfahl Künstler und Handwerker, vermittelte mit Geschäftshäusern, prüfte und nahm fertige Leistungen ab. Den Großen Festsaal mit den anstoßenden Gemächern und der Galerie, prächtige Denkmäler der Rokokokunst, stattete er bis in Einzelzüge mit seinem Geiste nach seinem Geschmack aus.

Die Plastik ist am Schloßbau vertreten durch Andreas Bäume (Böhme) aus Dresden, der 1741–1742 die Front im Schloßhof verzierte. Dann streute seit 1742 der Mailänder Stukkateur Jean Baptiste Pedrozzi sein luftiges Rankenwerk über Decken und Wände der Festsäle. Mit Unterbrechungen lief diese Arbeit bis 1746, vorübergehend hielt sich der anspruchsvolle Künstler wieder in Dresden auf. Seine sprühende Formenphantasie wird sich dort noch verfolgen lassen, wie in Schloß und Hofkirche von Bayreuth die von Martino Pedrozzi als geistesverwandt zu beobachten ist. Ruhigeres, maßvoll abgestimmtes Rokokogezweig weist auf die Rudolstädter Familie Johann Tobias Müller und Söhne zurück.

Als Holzbildhauer entwickelte sich Karl Adolph Kändler seit 1743 vom Gesellen bis 1756 zum Meister mit selbständig entworfenen, schwungvollen Leistungen, besonders an den Türen der Festräume wie an den Umrahmungen der großen Wandbilder in der Galerie und an Prunkmöbeln. Er wurde Lehrmeister Martin Klauers.

An den Malerarbeiten beim Bau betätigte sich seit 1738 der Hofmaler Johann Christoph Morgenstern als Porträtist, der Stammvater der noch heute durch fünf Generationen bekannten Malerfamilie. Im Jahre 1741 trat als Maler der Dresdener Heinrich Klöffel auf. Karl Christlieb Reinthaler arbeitete als Handwerker am Bau seit 1743 und dann als frei schaffender Künstler bis 1769 an der Ausstattung. Die großen Wandbilder der Galerie sind unter seiner Hand entstanden.

Leicht als Mensch, befangen im Zeitgeschmack, aber stolz auf seinen »italienischen Gusto«, kam aus Würzburg und Bamberg laut Spezialbefehl des Herzogs von Weimar der Historienmaler Leopold Deisinger, schrieb sich gern Daysigner und bevölkerte 1743–1744 die französisch umrahmten Stuckdecken mit Götterversammlungen aus der griechischen Sagenwelt. Im Jahre 1747 übernahm der Dresdener Hofprospektmaler Johann Alexander Thiele den Auftrag, vier Historienstücke zu liefern. Der Hofmaler Johann Heinrich Ritter aus Gotha fertigte 1748–1751 Prospekte an. Sechs große Bildnisse mit den dazu gehörigen Landschaften erbot sich der Weimarer Maler Heinze zu liefern, er brauchte Mittel zu einer Studienreise nach Holland. Johann Andreas Gottschalk in Altenburg sagte zu, neun perspektivische Partien einschließlich drei Superporten anzubringen, und am 1. Oktober 1755 versprach der Inspektor der Dresdener Gemäldegalerie Christian Wilhelm Ernst Dietrich, bis »Moedio Decempris« Superporten zu senden: »Waß die Ordinierung drauf ist, werde selbige so Eindheillen alß mit Confersadions ala Wattau.«

Ein unterhaltender Abschnitt aus der Sitten- und Heimatgeschichte ließe sich zusammenstellen über Fröner-, Soldaten- und Handwerkerleben auf der Baustätte, über die Forstlieferungen, die Schillers Schwiegervater leitete, über die Steinbrüche am Langenschäder Steig, in Großkochberg und Kleingölitz, oder über die Schieferfuhren aus Lehesten, die von den Bauern des Leutenberger Bezirks zu stellen waren.

Von den Kunsthandwerkern am Bau seien noch zwei genannt: der Schweizer Johannes Feer, der seit 1715 privilegierter Stück- und Glockengießer in Rudolstadt war, und sein Nachfolger seit 1759, der Nürnberger Johannes Mayer, Schillers Lehrmeister im Glockenguß. Von jenem stammen die Uhrglocken, von diesem 1770 das prachtvolle Dreigeläut im Turme.