Auch einen zeitgenössischen Schriftsteller hat das Rokokoschloß mit seinen Kunstschätzen gefunden in Ernst Kämmerer, dem Hofmaler Ludwig Günthers. Er, der die Natur seiner Heimat Rudolstadt bereits mit dem Auge des Künstlers sah, zergliedert mit akademischen Theorien und in altväterischer Sprache die Werke seiner Berufsgenossen. Wielands Teutscher Merkur vom Jahr 1794 bringt aus seiner Feder mehrere Aufsätze, die trotz aller Nüchternheit für das Erwachen der Heimatliebe doch wertvoll sind.

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Die Westfront des Schlosses trägt als Giebelschmuck den schwarzburgischen Adler. Über den Fenstern des Obergeschosses setzen sich fünf Trophäen aus Musikgeräten und Waffen zusammen, mit dem Grundgedanken: Wer Friedenswerk treiben will, soll Kriegswehr bereit halten!

Einen Dresdener Entwurf für die Gesamtfassade ersetzte der Rudolstädter Kändler durch eine einfachere Lösung, die dem Wind und dem Wetter weniger Angriffsstellen bot und gerade durch Ruhe und Ebenmaß der Flächen vornehm wirkt.

Die Spruchtafel über dem Eingang verkündet:

Anno MDCCLXXXVI. Arx Ludovico Gunthero principe sarta tecta polita suum denuo nacta decus.

(Im Jahre 1786. Unter der Regierung des Fürsten Ludwig Günther wurde das Schloß ausgebessert, gedeckt und gestrichen, es erhielt so von neuem sein schönes Aussehen.)

Soweit die Durchfahrt gotisch gewölbt ist, stammt sie noch vom alten Bau. Nach dem Schloßhofe zu setzte der Neubau 1737 eine Doppelgalerie vor, um Tiefe für die Festsäle im Obergeschoß zu gewinnen. Die Hoffront des Westbaues ist stärker belebt durch Schmuck. Die Bekrönung des geschweiften Giebels trägt auf einem Wappenschild den Namenszug FA, und die Spruchtafel darunter erinnert an die Vollendung des Rohbaues:

Arce e cineribus resuscitata gratias deo agit princeps Fridericus Anthonius cum voto velit eandem servare fovere protegere. Anno MDCCXLI.

(Nun, da die Burg aus der Asche wiedererstanden ist, sagt Fürst Friedrich Anton Gott Dank und bittet ihn, er wolle sie erhalten, hegen und beschützen. Im Jahre 1741.)