Ein Medaillon, einst echt vergoldet, zeigt das Brustbild des Fürsten in Panzer und Allongeperücke. Das große Balkongitter, entworfen von Krohne, geht zart vom Barock zum Rokoko über. Vier Kränze unter den Kragsteinen deuten die Jahreszeiten an.

Der Grundriß des Treppenhauses ist schiefwinklig, die Fundamente des älteren Baues schmiegten sich an die Felsschichten an. Der Reliefschmuck an den Gewölben bewegt sich in reicher Formensprache.

In den Festräumen tut sich die Pracht des achtzehnten Jahrhunderts auf. Märchenstimmung umzaubert den staunenden Blick. Griechisch-römische Phantasie hatte Gestalten geschaffen, die noch als Sinnbilder bekannt und geläufig waren, aber die alles beherrschende französische Hofsitte schrieb ihnen die Bewegung vor. Das Gesellschaftsleben der eigenen Zeit stellten die Künstler gern dar, aber unter dem Zwang des Vorbildes von Versailles. Verlangen nach Natur und Sehnsucht nach Freiheit lag dennoch in ihren Bildern, wenn das auch nur in Maskentrachten und Schäferszenen zum Ausdruck kam. Aus fernen Zeiten, in fremden Gestalten: berauschender Duft für nüchterne Gegenwart!

Im Roten Vorzimmer fällt ein lebensgroßes Reiterbild auf. Prinz Wilhelm Ludwig von Schwarzburg war Türkenbekämpfer unter Prinz Eugen und Oberst eines sächsischen Infanterieregiments in Freiberg. In der Heimat wurde er bekannt als der naturliebende Stammvater der Familie von Brockenburg, sein Bild fesselt aber auch allgemein das Auge als Kostümstudie.

Ebenfalls aus der Frühzeit des achtzehnten Jahrhunderts stammt das große »historische Stück«: Fürst Friedrich Anton nimmt mit seinen Geschwistern eine Huldigung türkischer Abgesandter entgegen. Spitze Schneegipfel überragen eine Hügelkette. Ein pomphafter Siegeszug quillt aus dem engen Tale heraus. Zwei braune Orientalen überreichen kostbare Gefäße, ein phantastisch aufgeputzter Ritter nimmt die Gaben entgegen. Gelassen schauen die fürstlichen Herrschaften dem fremdartigen Vorgang zu.

Zarte Rokokogewinde zieren die Decke des Gemachs.

Im Roten Durchgangszimmer ziehen zwei Familienbilder die Aufmerksamkeit an. Sie sind Arbeiten des jüngeren Morgenstern. Auf dem kleineren erscheint Fürst Friedrich Karl mit seinem Verwandtenkreis: für Literaturkundige eine Illustration zu Schillers Briefwechsel aus den Rudolstädter Jahren. Auf dem größeren steht der spätere Fürst Ludwig Friedrich II. zwischen seinen Geschwistern in kindlicher Beschäftigung. Beide Gemälde unterhalten durch peinliche Darstellung der Trachten und Beigaben.

Als Paradeschlafzimmer war ursprünglich das Rote Eckzimmer eingerichtet worden. Die Konsolen der Wandtische, die Rahmen der Spiegel und Bilder, die Nischen mit züngelnden Rosetten, der Fries als Abschluß der Wände und das Rankenwerk der Decke, sie zeigen, wie üppig freudig sich Rokokoleben bewegt. Naturalistische Zweige mit Blumen und Früchten, Laubgewinde in freier Entlehnung und kühner Verwandlung, Wellen, Wolken, Flammen: alles schwelgt in übermütigen Linien. Auf die Bestimmung des Schlafgemachs deutet das zarte Kaminbild hin, Venus schwebt herab zum Träumer Endymion. Kräftiger wirkt das Deckengemälde, Luna neigt sich auf Endymion, umgeben von Gestalten geistiger und sinnlicher Liebe. Ein Schild mit den Initialen Johann Friedrichs und Bernhardines erinnert an deren Vermählung 1744. Über der Tür zum nächsten Saal schildert eine Kopie nach Lodovico Carracci die Liebe im Goldenen Zeitalter.

Der Rote Saal erhält seinen Hauptschmuck durch acht Gemälde des Allerweltkünstlers Dietrich. Zwei Allegorien, der Frühling verheißt Freuden, der Herbst spendet Genuß, zierlich in der Zeichnung und süß in der Farbengebung, muten an wie Porzellanmalerei in großen Maßstab übersetzt. Das Gleiche gilt von zwei Schäferszenen. Die Sehnsucht nach Natur liegt darin, aber der Weg zur Natur war noch nicht gefunden. Kämmerer, der Kunstbeschauer und Kunsttheoretiker, vertieft sich in diese beiden Gemälde: »In dem einen sind zwei Schäferinnen vorgestellt, welche mit einigen Schafen im Vordergrunde einer felsichten Landschaft ruhen. Eine Schäferin, mit einem rosenfarbenen Unterkleide und einem grünlichgelben Obergewande, welches in den Tiefungen der Falten grauviolette Schattierung hat, sitzt auf einem Felsen und wendet ihr Gesicht seitwärts auf die neben ihr stehende Person, indem sie auf ein nacktes Kind hinzeigt, das auf der anderen Seite neben ihr am Felsen mit einer Girlande spielt. Jene Person hat ein blaues Unterkleid und einen braunen Mantel; sie legt sich mit dem Arm auf den Felsen und hat einen Schäferstab in der Hand.

Neben ihr steht ein Schaf, welches die Gruppe ausfüllt. Ganz vorn im Vorgrunde auf der linken Seite liegen drei Schafe und ein junges Lamm, auf der rechten aber ein blaues Tuch mit einem Becher. Zwischen diesen beiden Personen befinden sich in einiger Entfernung hinter dem Felsen zwei andere, davon die eine auf einem Instrumente spielt; die vordere ist blaugrün und weiß, die hintere hellrot und weiß gekleidet. Ihre Wirkung ist, daß sie die Hauptgruppe verbinden, und durch Zeichnung und Lokalität der Farben in der Landschaft die so angenehme Perspektive befördern. Neben diesen beiden Figuren erhebt sich ein buschiger Baum aus dem Schatten in die helle Luft hinauf. Hinter dem Baum sehen zwei ferne Felsen in rötlichem Tone der Abendluft vor, mit einem schönen Gewölke, das sich seitwärts von dem Felsen herüber zieht und das Gleichgewicht in die Landschaft bringt.