Das andere Gemälde schildert die Liebe in der Person einer jungen Schäferin, welche ihrem Geliebten einen Kranz aufsetzt. Sie sitzen in dem Vorgrunde einer hohen felsichten Landschaft. Vor ihnen liegen zwei niedliche Lämmer, ein weißes Tuch, einige Blumen und ein Hirtenstab. Der Schäfer hat ein gelbes und braunes Gewand, die Schäferin ein weißes und gelbes Unterkleid und einen blauen Mantel mit rosenfarbenem Futter, der von ihren Achseln auf den Felsen, wo sie sitzt, heruntergefallen ist. Der Vorgrund ist mit Gras, Kräutern und Blumen verziert; an der Seite der Schäferin steht ein junger Rosenstock.

Im Hintergrunde erhebt sich eine Felsenwand, mit Bäumen und Gesträuchen bewachsen, an welcher ein Mädchen von einem dünnbelaubten Aste, der sich zu ihr herunter streckt, Zweige abbricht, die sie zu dem Kranz des Schäfers holt. Sie kniet mit einem Bein auf einem Felsenstück und hat grauviolette und braune Kleidung.

Neben ihr stehen zwei Schafe, davon eins, mit vielem Ausdruck in der Zeichnung und Stellung, in das Tal hinunter blökt. Einige ferne Berge sehen aus dem düstern Tale hervor, welche sich oben in das Dunstige der bläulichen Luft verlieren.

Man muß die Mannigfaltigkeiten in der Zusammensetzung der kleinen Teile, in der Zeichnung und Farbe, in Licht und Schatten selbst vor Augen haben, um das Reizende dieser Gemälde recht zu empfinden. Eben die verschiedenen Charaktere der Gegenstände, die mancherlei Formen in der Zeichnung, die Nüancen der Farben, die kecken Pinselstriche, welche den Ausdruck der Oberfläche andeuten, die dockierten Lichter, die Tusche in den Tiefen der Schatten machen sie so lebhaft und interessant.

Man bemerke in beiden Stücken den Vorgrund, wie ihm der Künstler am Rande einen Abhang gegeben hat, wodurch er eine Form erhält und nicht mit einer platten Fläche sich endigt, welches der ganzen Landschaft eine Rundung gibt, die Winkel ausfüllt, die Farben verändert und die Lichtmassen mit Schatten unterbricht und begrenzt, in deren Dunkel hie und da mit Lichtern aufgeblickte Kräuter und Blumen vorstehen.«

Näher kommen dem wirklichen Leben die vier Gesellschaftsstücke über den Türen: Aufforderung zum Tanz, Maskenscherz, Tanz und Gesang. An der Steinbank des zweiten Bildes hat der Maler signiert: Dietericy 1755. Alles voll Esprit und Koketterie. Kämmerer faßt sein Urteil zusammen: »Die Gesellschaftsstücke sind so brillant gemalt, daß man ganz von ihnen hingerissen wird. Es ist zu bewundern, wie Dietrich es in seiner Gewalt hatte, jede Manier nachzuahmen. Diese Stücke sind in dem Geschmack des Watteau verfertigt. Die Fehler der französischen Zeichnung entdeckt man leicht an den Figuren, an ihren Stellungen und Proportionen. Indessen kann man sie wegen der Schönheit der Farben, wegen ihrer Reinheit und mannigfaltigen Abwechslung dennoch nicht genug betrachten. In dem einen Gemälde, welches die Musik vorstellt, sind an den zwei weiblichen Hauptpersonen die Gewänder von Atlas so natürlich und schön, als es je der fleißige Pinsel eines van der Werff und Netscher zu machen imstande war.«

Über das tändelnde Leben des Tages will das Deckengemälde von Deisinger, Versammlung der Tugenden, erheben. In der Mitte thront die Weisheit mit dem Kelch des Glaubens, aus dem das Licht der Wahrheit aufsteigt. Links ruhen drei Frauengestalten: die Kunst mit einem Säulenkapitäl, der Handel mit dem Anker und das Streben nach Erfolg mit einem Lorbeerzweig. Dahinter zeigt eine Mutter mit zwei Kindern das häusliche Glück, ein drittes Kind mit Lichtkranz um die Schläfen senkt sich wie segnend herab. Rechts bewegen sich erhabene und eitle Liebe gegeneinander, die eine mit einem flammenden Herzen in der Hand, die andere mit einem Spiegel. Darunter versucht das Streben nach Ruhm, durch ein Zepter kenntlich gemacht, seine Überredungsgabe; doch das bescheidene Leben findet Genügen im Verkehr mit der Natur. Oben triumphiert die Gerechtigkeit mit Wage und Schwert, rechts von ihr glüht noch Hader, den sie löschen soll, links wohnt der Frieden, den sie gespendet hat. Unten trennt eine Nachtgestalt mit Fledermausflügeln zwei Menschen: eine bleiche Gestalt muß mit ihr entfliehen, eine blühend frische eilt in das Leben zurück. Die Liebe stürzt entwaffnet und mit verbundenen Augen dazwischen nieder.

Plastik und Malerei des achtzehnten Jahrhunderts sollten öfters mit dem gleichzeitigen Schrifttum verglichen werden, die Gedankenwelt unserer Klassiker würde dadurch reizvolle Ergänzung erfahren.

Vier Medaillons in Sepiaton erzählen naiv von Weltverkehr in der Ferne.

Die Türen mit tüchtigen Schnitzereien Meister Kändlers, die Lichterkronen, die Eckleuchter mit Spiegelplatten, die Wandleuchter sind heimatliches Kunstgewerbe in französischem Geschmack.