Brunnen

Mit führenden Geistern stand sie in Gedankenaustausch. Wilhelm von Humboldt schreibt über sie in den Briefen an eine Freundin:

»Rudolstadt, 2. Januar 1827.

Die verwitwete Fürstin ist eine der Frauen, wie man sie selten findet. Ich kenne sie seit meiner Verheiratung. Wir heirateten in derselben Zeit, und ich war unmittelbar nach meiner Verheiratung mit meiner Frau, mit der sie sehr freundschaftlich verbunden ist, einige Wochen hier, so daß mir der Ort auch wegen dieser Erinnerung sehr lieb ist.

Die Fürstin war sehr jung, ungemein liebenswürdig und schön. Als ich mit meiner Frau später in Rom war, kam sie mit dem Fürsten auf einige Monate hin, und wir lebten auch da viel miteinander. Bald nachher wurde sie Witwe und während der Minderjährigkeit des Prinzen Regentin des Landes. Sie führte in den schwierigsten Zeiten diese Regentschaft mit größter Klugheit, und stets mit der Güte und Wohltätigkeit, durch welche Fürsten, besonders in kleinen Ländern, sich von ihren Untertanen auch persönlich verehrt und geliebt machen können. Seit der Fürst die Regierung übernahm und die Erziehung der anderen Kinder vollendet ist, lebt sie bloß sich selbst, arbeitet und studiert für sich; sie besitzt sehr viele Kenntnisse, vorzüglich aber das, was man nicht ohne eigenen tiefen und umfassenden Geist erwirbt. Ihre Briefe sind gleich geist- und seelenvoll, und im Gespräch äußert sich dasselbe noch lebendiger und immer mit der größten Einfachheit und Bescheidenheit. Sie ist daher auch eigentlich kaum gekannt, nur bei den wenigen, die der Zufall ihr näher gebracht hat. Sie ist sehr religiös, verbindet das aber so schön mit dem tiefsten und freiesten philosophischen Nachdenken, daß die Religiosität ihr dadurch nur noch mehr eigen wird.«

Humboldt erwähnt dann einen Wagenunfall, den sie erlitten hatte, und der sie zwang, nur noch zu Fuß zu gehen, und ihr nicht mehr erlaubte, sich weit vom Schlosse zu entfernen. Um die Natur zu genießen, ließ sie sich die Borkenhüttchen, Bauernhäuschen und Teetempelchen im griechischen Stil bauen, deren letzte noch heute vom Schloß aus durch den Hain und die Flur von Rudolstadt an verklungene Zeit erinnern.

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Die gewaltigen Ereignisse der Weltgeschichte haben auch das Leben auf der Heidecksburg in den Grundfesten erschüttert. Der Weltenlenker wird wissen, wie er Geschicke und Herzen der Menschen zum rechten Ziele führt.

Es sind nicht nur Vorgänge der engen Heimat, die sich in dem ehrwürdigen Schlosse der Schwarzburger Grafen und Fürsten abgespielt haben. Was die Heidecksburg uns überliefert, ist ein wichtiger Ausschnitt aus dem Thüringer Leben und ein wertvoller Bestand der deutschen Bildungsgeschichte überhaupt.

Wer diese geistigen Schätze in Zukunft zu erhalten und zu betreuen hat, trägt die Verantwortung vor dem deutschen Gewissen.