Zur Losung hatte die Gräfin dem Kutscher ein weißes Tuch mitgegeben, damit er es, wenn er nahe an das Schloß komme, zu einem Zeichen auswerfen sollte. Als solches geschehen, verschickte die Gräfin all ihr Hofgesinde hin und wieder in die Stadt, bis auf einen Einzigen, ihren Schneider, und logiert Herrn Aquilam in aller Stille in einem Oberstüblein. Hat die teure Wohltäterin über der Tafel etwas Köstliches gehabt, hat sie dieses gesagt: Gehe hin und bringe mir das dem kranken Mann! Da denn mehrgedachter Schneider schon gewußt, wem solch Essen zugehöre.

Wenn die Gräfin zu gewissen Zeiten den Aquilam in seinem Stüblein besucht und denselben gefragt: Herr Aquila, wie stehts, was macht Ihr Gutes? hat er geantwortet: Gnädige Fürstin und Frau, da sitze ich und lese in meinem Psalterbüchlein die Worte: Deine Kinder werden um deinen Tisch sitzen wie die Ölzweige! Da fällt mir ein Zähren nach dem andern auf die Bibel.

Als nun die Gräfin gedacht, sie vermöchte als eine Witwe den Aquilam nicht länger bei sich behalten, hat sie an ihre Herren Brüder geschrieben und sie gebeten, daß sie doch den Aquilam zu sich in Verwahrung nehmen und von ihr abfordern lassen wollten.«

Lorenz Ritter, Poet und Priester in Blankenburg, besang die Gräfin:

Sic Aquilam texit, qui propter dogmata Christi,

Non, sibi commissa, tutus in orbe fuit,

Sic alios etiam defendit saepe fideles

Constantesque viros. En pietatis opus!

So hat sie den Aquila beschützt, der wegen der Lehre Christi,

die ihm anvertraut war, in der Heimat nicht sicher lebte,