Im August kam das Vogelschießen, ein großes Volksfest mit starkem Fremdenzulauf. Es war die einzige Veranstaltung, bei welcher der Hof sich unter die Stadtleute mischte. Der Ball der vornehmen Gesellschaft wurde im Schönfeldschen Saale, im heutigen alten Rathaus, abgehalten. Schiller klagt, er taugt nicht für laute Gesellschaft, und macht sich Vorwürfe, daß er nicht Stärke genug besitzt, von solchem Getriebe fernzubleiben, sein Geist wirke mehr im stillen, im Umgang mit sich selbst.
Vorübergehend wohnt er in Rudolstadt selbst. In dieser Zeit kann er die Wohnung Schloßaufgang II 3 bezogen haben, bis ihn die Anhänglichkeit an Volkstedt und an den fürsorglichen Hauswirt wieder hinauszieht.
Allmählich tritt eine gewisse Vorsicht im Verkehr ein. Vielleicht fiel es auf, daß der fremde Gast täglich in dem Hause der Damen ein- und ausging. Er bittet, die Gartentüre aufzuschließen, damit er weniger eifrig beobachtet wird.
Als Charlotte ihrer Freundin Frau von Stein in Kochberg einen Besuch abstattet, reitet Schiller ihrem Wagen bis Teichröda entgegen. Als Mutter und Töchter von einer Reise aus Jena zurückkommen, wird das Wiedersehen in Uhlstädt gefeiert bei einem sublimen Kaffee, den Beulwitz auf festlich geschmückter Tafel anrichtet. Endlich ergeht auch eine Einladung zum Sonntagskloß, und Frau von Lengefeld hofft, daß das beliebte Thüringer Festgericht dem Schwaben nicht schaden wird.
Der Sommer in Rudolstadt darf nicht zu Ende gehen, ohne daß der Gast Schwarzburg gesehen hat. Dort wird ihm das Fremdenbuch im Wirtshaus vorgelegt, und in der Eile mag ihm das Verlegenheitserzeugnis aus der Feder geflossen sein:
Auf diesen Höhen sah auch ich
Dich, freundliche Natur, ja dich!
Die Fahrt geht über Königsee, wo Beulwitz Amtsgeschäfte zu erledigen hat, nach Paulinzelle, und hier trägt die Stimmung bessere Frucht. In den Anblick der Ruine mischen sich wehmütige Gedanken an die Trennung und an die Ungewißheit danach.
Im Kloster Paulinzelle
Einsam stehn des öden Tempels Säulen,