Wie ein Blumen- und Fruchtgewinde war das Leben dieses ganzen Sommers mit seinen genußreichen und bildenden Tagen und Stunden für uns alle. Schiller wurde ruhiger, klarer, seine Erscheinung, wie sein Wesen, anmutiger, sein Geist den phantastischen Ansichten des Lebens, die er bis dahin nicht ganz verbannen konnte, abgeneigter.
Meine Schwester konnte wohl in jeder Beziehung eine wünschenswerte Verbindung für Schiller sein. Sie hatte eine sehr anmutige Gestalt und Gesichtsbildung. Der Ausdruck reinster Herzensgüte belebte ihre Züge, und ihr Auge blitzte nur Wahrheit und Unschuld. Sinnig und empfänglich für alles Gute und Schöne im Leben und in der Kunst, hatte ihr ganzes Wesen eine schöne Harmonie. Mäßig, aber treu und anhaltend in ihren Neigungen, schien sie geschaffen, das reinste Glück zu genießen. Sie hatte Talent zum Landschaftzeichnen, einen feinen und tiefen Sinn für die Natur, und Reinheit und Zartheit in der Darstellung. Unter günstigern Umgebungen hätte sie in dieser Kunst etwas leisten können. Auch sprach sich jedes erhöhtere Gefühl in ihr oft in Gedichten aus, unter denen einige, von der Erinnerung an lebhaftere zärtliche Herzensverhältnisse eingegeben, voll Grazie und sanfter Empfindung sind.«
Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz
Durch Charlottes Winter gehen die Sommererinnerungen als ständige Begleiter:
»Wir waren auch in Hasel zusammen. Der Weg, den ich von Kochberg dazumal machte, mag jetzt recht wüste sein und traurig. Auch die Steine, auf denen wir saßen, waren voll Schnee, der Bach zugefroren, und die entblätterten Bäume gaben mir ein trauriges Bild der Vergänglichkeit. Ach, der Winter ist doch recht unangenehm! Auch der schöne Weg auf den Wiesen hin, den wir doch einigemal zusammen gingen, alles war so leer, so öde, die Weiden hoben ihre entblätterten Zweige empor, und das Geschrei der Raben, die traurig auf den weißen Feldern herumflogen, ließen nur Leben ahnen. Was ist der erfreuende Anblick der grünen Wiesen doch dagegen so schön!«
»Heute vorm Jahre waren wir uns fremd. Den sechsten sahen wir uns erst, es war ein schöner Zufall, der Sie eben mit Wolzogen zu uns brachte. Ich weiß noch, daß ich den Tag so ganz in mir verschlossen war, der Regen und Wind machte mir so unheimlich, und den Abend freute ich mich so, ich hätte mir es nie am Morgen träumen lassen.«
»Unsere schönen Berge freuen mich jetzt gar nicht, die schwarzen Bäume in der Allee machen so eine traurige Wirkung auf den Schnee, und der dunkle Wald auf die weißen Berge, da ist nichts, was einem liebliche Bilder erwecken könnte.«
Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von Lengefeld