Als Junot in das Kammerkollegium nach Rudolstadt berufen wurde, bezog die Familie im Hause Augustenstraße 10 eine Wohnung. Ihre Nachbarn erinnerten sich noch lange gern des stattlichen, würdevollen Paares, das seine abendlichen Erholungsgänge auf und ab in der Straße unternahm. Durch Freude und Sorge des täglichen Lebens klingt aus den Briefen Karolines ein tiefbegründetes ideales Streben, das in religiösem Trost über die Wirklichkeit erhob.
Bald sollte ihr neue Prüfung auferlegt werden, die Kirchennachrichten melden am 4. Januar 1846 »Gestorben: der Fürstliche Bergrat, Herr Franz Karl Emanuel Junot, 60 Jahre, 8 Monate und 12 Tage alt.« Karolines Privatanzeige schließt: »Wir werden die vielfachen Beweise der Liebe und Achtung gegen den Geschiedenen stets in dankbarem Herzen bewahren.«
Auf einer Reise zum Besuch der Schwester auf Greifenstein bei Bonnland in Unterfranken erkrankte Karoline, und der Tod erfüllte ihr Sehnen am 19. Dezember 1850 in Würzburg.
In Rudolstadt, so hatte sie gewünscht, sollte ihr Herz beigesetzt werden, und es fand seine Ruhe an der Stelle, wo Sohn und Gatte bestattet lagen.
Das Bild [Seite 13] ist die Wiedergabe einer Bleistiftzeichnung, die die Unterschrift trägt: »Frl. Lottchen von Lengefeld. 1788.« Sie fand sich, bisher unbeachtet, im Schloßmuseum unter Hunderten von Blättern aus der zeichenfreudigen Zeit Ludwig Friedrichs. Das Profil ist mit sicherer Hand, vielleicht unter Benutzung eines Schattenrisses, festgehalten worden, während Haare und Gewand nicht die gleiche Bestimmtheit erkennen lassen. Das H als Busennadel könnte Bezug haben auf die Neckerei mit dem englischen Hauptmann Heron. Die Schriftzüge können die Ludwig Friedrichs oder seines Lehrers, des Hofmalers Franz Cotta, sein.
Das Bild [Seite 76] gibt eine Bleistiftzeichnung wieder, die unterschrieben ist: »Rudolstadt d. 31. Decbr. 1839. Mathilde, Pr. zu Schaumburg-Lippe.« Von der Hand der Fürstin Elisabeth zur Lippe stammt der spätere Zusatz: »Caroline Junot, geb. von Schiller.« Ein anderes Blatt vom 28. Dezember zeigt die Dargestellte mit einer Strickarbeit beschäftigt und die Unterschrift dazu von der Fürstin Karoline Luise.
Rundgang an den Schillerstätten vorüber
Das Doppelhaus Schillerstraße 25 blieb als weihevoller Ort erhalten. Der Hausgarten daran war zum Bauplatz für eine Kirche bestimmt. Der spätere Besitzer, Kreisgerichtsrat Wolle, löste die Gerechtsame ab. Sein Sohn, Landgerichtspräsident Wolle, dessen Witwe jetzt Besitzerin ist, war ein feinsinniger Schillerverehrer und hielt jede entstellende Neuerung fern. Das Obergeschoß an der Schillerstraße war Wohnung des Ehepaares von Beulwitz von 1785 bis 1794. Das Gartengebäude nach der Allee bewohnte Frau von Lengefeld von 1775 bis 1789 und Charlotte bis zu ihrer Verheiratung.
Das Schulgrundstück gegenüber, Große Allee 5, war der Lengefeldsche Garten, den die Chère mère 1786 gekauft hatte. Hier fanden die Teeabende und Komödienspiele statt. Für diesen Garten hatte Karl August die Bäume unter scherzhaften Anspielungen gestiftet. Ein zweistöckiges Gartenhaus mit Geräteschuppen war der »grüne Pavillon«, den Schiller von Volkstedt aus mit dem Perspektiv erkannte. Als 1835 das »Schwesterngäßchen« von der Allee zur Augustenstraße durch den Garten gelegt wurde, mußten die beiden Häuschen etwas nach Süden hin versetzt werden.