So spricht der Verstand. Was im Gemüt sich bewegte, verraten die Briefe an Charlotte: »Sie können sich nicht herzlicher nach Ihren Bäumen und schönen Bergen sehnen als ich, und vollends nach denen in Rudolstadt, wohin ich mich jetzt in meinen glücklichsten Augenblicken im Traume versetze. – Sie werden in Rudolstadt nun wieder eingewohnt sein und bei diesem schönen Wetter sich Ihrer ländlichen Einsamkeit freuen. – Wie beneide ich Ihre Familie um alles, was um Sie sein darf! Aber auch Sie beneide ich um Ihre Familie; ein einziger Tag war mir genug, mich zu überzeugen, daß ich unter sehr edeln Menschen wäre. Warum kann man solche glückliche Augenblicke nicht fest halten. Man sollte lieber nie zusammen geraten – oder nie mehr getrennt werden.«

Im Laufe des Winters kehrte Schiller nicht wieder in Rudolstadt ein, obwohl es verabredet war. Durch seine schriftlichen Grüße klingt die Sehnsucht nach Natur und ländlicher Einsamkeit. Aber dem vertrauten Freunde enthüllt er seinen Seelenzustand: »Ich bedarf eines Mediums, durch das ich die andern Freuden genieße, Freundschaft, Geschmack, Wahrheit und Schönheit werden mehr auf mich wirken, wenn eine ununterbrochene Reihe feiner, wohltätiger, häuslicher Empfindungen mich für die Freude stimmt und mein erstarrtes Wesen wieder durchwärmt. Ich bin bis jetzt ein isolierter, fremder Mensch, in der Natur herumgeirrt und habe nichts als Eigentum besessen.

Ich sehne mich nach einer bürgerlichen und häuslichen Existenz.

Ich habe seit vielen Jahren kein ganzes Glück gefühlt, und nicht sowohl, weil mir die Gegenstände dazu fehlten, sondern darum, weil ich die Freuden mehr naschte als genoß, weil es mir an immer gleicher und sanfter Empfänglichkeit mangelte, die nur die Ruhe des Familienlebens gibt.«

Charlotte und er sahen sich in Weimar mitten zwischen geräuschvollen Veranstaltungen der Hofgesellschaft. Ihn selbst nimmt dieses Treiben nicht in den Bann, und seine Freundin warnt er vor flacher Lebensauffassung:

Ein blühend Kind, von Grazien und Scherzen

umhüpft – so, Lotte, spielt um Dich die Welt,

Doch so, wie sie sich malt in Deinem Herzen,

in Deiner Seele schönen Spiegel fällt,

So ist sie doch nicht! – Die Eroberungen,