Als sie das richtige Bureau gefunden hatte, trat sie schüchtern ein und blieb erwartend an der Tür stehen. Kaum hatte sie auf die ergangene Frage ihren Namen genannt und die Vorladung gezeigt, als der Polizeikommissär und sein Schreiber einen schnellen Blick der Aufforderung wechselten und dann eine peinliche Pause lang die Gestalt an der Tür fixierten. Wieder begegneten sich verständnisinnig und mit triumphierendem Ausdrucke ihre Augen; ihr scharfer Beamtenblick hatte untrüglich den Simulanten erkannt. In diesem Falle glaubte der Kommissär kurz angebunden sein zu müssen und eröffnete das Verhör:

»Sie werden sich denken können, weshalb Sie vorgeladen sind?«

»Nein, leider nicht.«

»Wenn ich Ihnen aber sage, daß dieses das Bureau für Konskriptionsangelegenheiten ist.«

»Ich bedaure, daß mir die Sache dadurch nur um so rätselhafter erscheint.«

»So muß ich Ihnen denn kurzweg sagen, daß Sie im Verdachte stehen, sich durch fortgesetzte Simulation, das heißt, indem Sie weibliche Verkleidung tragen und sich seit Ihrem Hiersein durchaus als Frauenzimmer geberden, Ihrer Konskriptionspflicht entzogen zu haben, respektive noch entziehen zu wollen.«

Versteinerungspause. –

»Auch muß ich Ihnen gestehen, das Ihr Äußeres diesem Verdachte nur Vorschub leisten kann.«

Fortsetzung der Pause und anhebende Versenkungsgefühle.

Welche echte Weiblichkeit hätte auch nicht zu sprachlosem Erstaunen erstarren müssen bei der Zumutung, sich als renitenten Rekruten zu bekennen. Wie Lots Weib nach der Salifizierung stand die Ärmste an der Türe. Der Beamte kannte aber diese Kniffe schon und fuhr unerschüttert fort: