*

Du erwägst zuvörderst den zeitlich erscheinenden Gegensatz im Willen des angreifenden Ich—Wechsel von Tat zu nicht-Tat. Der Gegensatz erscheint als geänderter Wille im Ich. Das Verlangen atmet, lebt, bewegt sich, wandelt, wechselt im lch. Ich verläßt seinen Stand, ver-stellt sich, nimmt andere Stellung zum Gedanken: "Ich wollte leben, wollte nicht sterben; wollte die Tat tun, wollte die Tat nicht dulden, wollte töten und fressen, wollte nicht getötet und gefressen werden"— "jetzt will ich sterben, will nicht leben; will nicht töten, nicht fressen, will getötet und gefressen werden." Im Willen des Ich ist Wandlung eingetreten—Gegensatz im wechselnden Willen in der Zeit erscheinend.

*

Du schaust den Gedanken unbewegt, einheitlich: kâma, Verlangen. Tat und Fraß ist sinnfälliger Ausdruck des Verlangens, Ausdruck des Wirkens dieser Welt. Es ist keine Änderung, kein Gegensatz in Verlangen an sich; Änderung und Gegensatz ist im be-Stand des verlangenden Ich. Unterscheidung, Zwiespalt, Teilung erscheint mit be-Teil-igung, mit an-Teil-nahme des Ich am Gedanken. Der Gegensatz entsteht im Ich, das, wollend, in sich spaltet; das Verlangen bleibt, nur das zeitliche Ziel des Verlangens im Ich wechselt: Ich, das wollte—Ich, das anders will; zweierlei Verhalten, zwiespaltiger Zustand im Ich—das ist Zeiterscheinung.

I. Ich erst in Lust aufflammend, erst:
"ich will fressen;"

III. Ich dann lustlos verlöschend, dann:
"ich will gefressen werden."

*

Der Gedanke bleibt Einer, einheitlich, ungeteilt: Fraß. Kein Fraß ohne fressen und gefressen werden; beides liegt unmittelbar im Gedanken "Fraß", "Fressen—gefressen werden" ist nur sprachlich verschiedener Ausdruck des Einen Gedankens; nur zweierlei Benennung für ein-und-denselben Vorgang, nur tätige und leidende Sprachform: nur Laut-Verschiedenheit, nicht Gegensatz in sich—Eines: Kama, Verlangen. Wandel und Gegensatz erscheint im zeitgespaltenen Willen des Ich: Ich wollte und will das Gegenteil des zuerst Gewollten. Alles Wollen ist aus Tun und Dulden: Ich wollte die Tat tun—ich will die Tat dulden.

[Ich:]
I. Ich, erst, in Verlangen, Urteil, Tat sich schaffend, will das
Leben, begehrt, hofft, will tun, bejaht den Gedanken zu solcher Zeit
blind:
"ich will dich fressen, will nicht von dir gefressen werden."

[Ich in zeitlichem Gegensinn:]
III. Ich, dann, nach aufgegebenem Tun, von treibender
Lustempfindung frei, nicht mehr begehrend, ver-setzt sich in die Lage
des Opfers, ver-stellt sich auf den Standpunkt des Gegners, versteht
ihn, mit leidend, steht ihm bei,—urteilt nun von also
entgegengesetztem Stand mit der Zeit ver-ständig, erkennend, wechselt
mit gewechseltem Stand seine Ansicht, wendet sich im Gedanken,
widerspricht sich selbst, gibt sich auf, will dulden, will den Tod:
lustlos vergehend:
"ich will mich fressen lassen, will nicht fressen"