Hüte das Urerbe—dir zum Heil und allen denen, die auf Erden mit dem Tode ringen.

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Also ist die Unterweisung: Aus Sinnes-wahr-nehmung wird, was du Wirklichkeit dieser Welt nennst. Was deinen Sinnen wirklich wahr scheint, ist deinem Nachsinnen hinfällig; was deinen Sinnen standhält, flieht vor deinem Besinnen, mündet, sich selbstwidersprechend, in Widersinn, und nur in sinnlicher Auffassung scheint Sinn in der Welt. Und gewiß: wäre letzter Sinn in der Erscheinung, so wäre Erscheinung Wesen. Sinneswahrnehmung in dir ist rings um dich sinnlich begrenzt. Grenze deines Schauens ist der Gegenstände sinnlicher Widerstand— Seele der Dinge bleibt deinen Sinnen ewig unnahbar. Wie ein Strom Ufer von Ufer trennt, so trennt sinnliche Anschauung Seele von Seele; und wie du von Ufer zu Ufer auf unsicher schwankender Fähre gelangst, so gelangt Seele zu Seele durch blind suchende Sinne; und wie ein mächtiger Strom jenseitiges Land völlig deckt, so decken zügellos stürmende Sinne alle Seele außer dir. Irdische Wahrnehmung ist der Blindheit vergleichbar—was wir hier in Gestalten und Farben gläubig schauen, ist nicht die Welt, Samsara zeugt blinde Kinder.

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Maya! Es scheint, es stellt sich dar, es mutet dich an, dich gelüstet danach und du erliegst der Lust.—Von gleißender Erscheinung geblendet, suchst du unsicher tastend dein Ziel, taumelst Wahnbildern folgend, von Trug zu Trug—wahrlich einem Trunkenen vergleichbar. Und wie ein Trunkener unter den Hufen einer Büffelherde sich im Paradiese träumt, so träumst du trunken von Sinneslust ein erlogenes Glück—die ewige Lüge! Verlangen in dir ist der Seele Verlangen nach ewigem Ziele; Sinneswahrnehmung in dir hält dich in vergänglicher Erscheinung zurück. Die Erscheinung ergreifend, bist du ergriffen—Seele in den Fesseln der Sinne. Darum sagt Maitrâyana Upanishad: "Seele von den Gegenständen überwältigt." Darum sagt man: sich ernüchtern, wieder zu sich kommen, sich auf sich selbst besinnen. Darum lehrt der Erlauchte: "Unterscheidung des Wandelbaren vom Unwandelbaren, des Ewigen vom Vergänglichen, Unterscheidung des Wesens von der Erscheinung."

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Unabsehbare Kluft, unlöslicher Widerspruch uns irdisch Schauenden zwischen Erkenntnis und Anschauung; Torheit, ewiges Ziel in vergänglicher Erscheinung zu suchen. Daraus sinnloses Hasten und Irren, endloser Wechsel, unablässige Erneuung; daher die Unbeständigkeit, die Friedlosigkeit, die Vergänglichkeit alles Irdischen, daher die Unsinnigkeit steter Wiederholung alles Geschehens, aller Gebilde, aller Gedanken—ein rastloser Kreislauf von Hoffnung zu Enttäuschung. Darum die Unzulänglichkeit, das Stückwerk, die Unvollkommenheit aller Dinge; die Unwiederbringbarkeit der Zeit, die Unüberwindbarkeit des Raumes; darum des Hohenzieles Unerreichbarkeit, des Zweifels Unstillbarkeit, die Trostlosigkeit, die Widersinnigkeit, Verruchtheit dieser Welt. Diese Welt ist für Kinder und Wölfe, und so sehr sind wir Kinder und Wölfe, daß wir uns in solcher Welt gefallen! Der Welt Lust ist Fraß, der Welt Lohn ist Trug, der Welt Ziel ist Vernichtung—und du solcher Welt williger Sklave. Ist Lust Frieden? Und ist nicht verlorene Lust Schmerz? Und wäre nicht dauernde Lust Qual? Und schließt nicht Lust Seeligkeit aus?— Wagst du es zu widersprechen?—Was auf Erden vermöchte Verlangen nach dem Höchsten zu stillen?—Verlangen nach Gottheit.

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Das Gepräge dieser Welt ist Vergänglichkeit.

Was von Gedanken und Dingen dieser Welt lebt, atmet in Einhauch und Aushauch, aus Entstehen zu Vergehen. Alles Werden durch Absonderung, durch Abstammung, durch Verzweigung, durch Spaltung, durch Unterscheidung von einander. Alle Empfindung und Wahrnehmung durch Abstand; alles Wollen und Tun durch Gegenstand und Widerstand. Ich-nicht-Ich-bewußtsein durch Anstoß und Hemmung; Leben und Dasein durch Wandel—nichts was unverändert, nichts was beständig, nichts in Frieden im Himmel und auf Erden. Samsara ist Wechsel; wer Frieden im wechselnden Samsara sucht, der ist betrogen; Frieden kann nur zu Unfrieden wechseln. Dieser Welt Bestand durch Gegen-stand, dieser Welt Sinn durch Gegen-sinn; darum dieser Welt Wider-spruch und Wider-sinn; darum dieser Welt ruheloser Kampf; darum dieser Welt Vergänglichkeit. Entzweiung will Paarung, Ansammlung will Auflösung; weil Entstehen ist, darum ist Vergehen; weil Verschiedenheit ist, darum ist ein Verscheiden; weil Leben ist, darum ist Tod. Alle Erscheinung ist durch Ur-sprung, durch Entzweiung in Gegensatz, und aller Gegensatz will Ausgleich. Was durch Entzweiung aus Einheit entspringt, endet in Einheit. Wie alles Urteil in seinem Gegenurteil sich auf hebt, wie aller Gedanke, zu Ende gedacht, durch seinen Gegensinn in sich selbst zurückkehrt, so kehrt alle Erscheinung in sich selbst zurück, sich selber aufhebend. Alle Wirklichkeit hält stand, so lange du Befriedigung im Wirken suchst, solange du, selbst Erscheinung, sinnliche Erscheinung wahr-nimmst, solange du an die Wirklichkeit dieser Welt glaubst. Erscheinung, durchschaut, hält nicht stand, verblaßt, zerrinnt, geht zugrunde, geht auf den Urgrund zurück. Wirklichkeit, als Schein erkannt, wirkt nicht mehr, ist nicht mehr wirklich—vergangen wie ein Traum, der beim Erwachen zu nichte ward.