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Was dir als gegenständliche Welt erscheint, ist nicht an sich; was du Wirklichkeit nennst, ist zu sinnlich anschaulichen Bildern gewordener Gedanke in dir—ist dein träumendes Verlangen, die unermeßliche Kluft zu überbrücken, der weite Irrweg zur ewigen Heimat. Die Gestaltung dieser Welt ist dein; Wirklichkeit folgt deinem Gebot—Wahr-nehmung in dir ist Be-dingung; das heißt: was du von Erscheinung für Wahrheit nimmst, gewinnt Gestalt, wird zu wirklichen Dingen. Du er-innerst dich aus zeitloser Vergangenheit—du er-innerst dich aus raumloser Nähe und Ferne—du ver-gegenwärt-igst dir aus seelisch ewiger Gegenwart sinnlich gegenwärtige Erscheinung. Deine Einbildung wird Vorstellung: das Verlangen in dir hat sinnliches Da-sein gewonnen, was du wirklich wahr nennst, hat sich geschaffen. Die gewaltige Welt ist aus deiner Empfindung geboren, deine eigene Schöpfung—du selbst.

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Dies wunderbar Einfache wird von Unmündigen widerstrebend erfaßt —volles Erleben hiervon ist nur dem Erwachenden beschieden.

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Was aus Ursprung dieser Welt lebt, lebt zwiefach: lebt als Empfindung in dir, lebt als Bewegung außer dir; Bewegung im unendlichen Raum—und Empfindung solcher Bewegung in ewiger Seele—: die also erscheinende Welt. Bewegung aus dem Raume trifft dich—du wirst der Bewegung inne. Inne-werden der Außen-bewegung ist Empfindung in dir; Auslegung dieser deiner Empfindung ist dir Bewegung im Raum. Empfindung: ver-inner-lichte Bewegung; Bewegung: ge-äußer-te Empfindung. Was aus-wendig Bewegung ist, ist in-wendig Empfindung. Äußerer Gegenstand schafft inneren Zustand; innerer Zustand schafft äußeren Gegenstand. Bewegt empfindest du—empfindend bewegst du. Seelische Empfindung von dir aus-gelegt, wandelt sich außer dem Bereich deiner Seele zu sinnlich anschaulicher Bewegung. Empfindung aus dir hinausverlegend, stellst du vor; vorstellend wirkst du; gegen-ständlich Vorgestelltes ist Gegenstand; Gegenstand widersteht; Widerstand ist Wirkung auf dich. Dein eigenes Werk, aus dir gewirkt, ist Wirklichkeit und wirkt auf dich zurück.

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Die Seele wird von äußerer Bewegung innen bewegt; die innen bewegte Seele bewegt nach außen. Du empfindest in dir, das heißt: du bewegst außer dir. Was du zeitliche und räumliche Ferne nennst, ist sinnlich befangene Auffassung; Seele wirkt außersinnlich, Seele wirkt seelisch, über Zeit und Raum hinaus.—Eines ist Auslegung deiner Empfindung und Rückwirkung des aus dir Hinausverlegten— Zusammenfließen der Seelen—Seele der Dinge—eigene Seele— Überbrückung des Ur-sprungs. Je nach Vorwiegen seelischer oder sinnlicher Auffassung im Ich scheint Empfindung oder scheint Bewegung, scheint eigener Zustand oder fremder Gegenstand, ist gedankliche Ein-bildung oder anschauliche Wahrnehmung, das ist: allen deinen Sinnen faßbarer Körper—der Gedanke ist leib-haftig geworden; Eines ist Gedanke und Sichtbarkeit des Gedankens. Angeschaute Gedanken sind Körper. Davon sagt Patandschali: "Körpererscheinung wird durch Wandlung der Auffassung im Ich." Davon sagt der Buddha: "Wie ich aus einem Schilfrohre den Halm ziehe—hier das Schilf—dort der Halm, so bilde ich aus diesem meinem Leibe nach dem Willen meines Herzens einen anderen Leib, mit allen Gliedern versehen und mit Gefühl begabt." Der verlangende Gedanke zu Fleisch und Blut geworden.

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Es scheint, als sei in dir seelische Empfindung, es scheint, als sei außer dir seelenlose Bewegung; deiner Seele Empfindung, deinen Sinnen Bewegung—Gegensatz und Einheit. Was sinnlich als Gegensatz erscheint, wird seelisch als Einheit erkannt. Was blindem Schauen durch unüberbrückbare Kluft getrennt scheint, unvereinbar und unlösbares Rätsel, ist Eines; Eines, was deinen Sinnen Bewegung, deiner Seele Empfindung ist—je nach sinnlicher oder seelischer Auffassung unterscheidende Benennung, ununterschieden in sich, zwei Worte für das Selbe—: Verlangen in dir. Und wie du in deinem eigenen, einheitlichen, ungespaltenen Verlangen Widerwillen von Willen unterscheidest, beides in dir, beides Eines—du selbst, so unterscheidest du Bewegung von Empfindung, bei des in dir, beides Eines—du selbst. Alle Empfindung ist Bewegung, alle Bewegung—Empfindung; Beid-einheit, seelisch-sinnlich geschaut. Empfindung in dir und die Welt ist bewegt; du durchschaust die Bewegung und still stehen alle Sonnen und Erden, und es empfinden alle Sonnen und Erden, ruhelos Ausgleich suchend.