Ausgelöscht ist alle auf Raum, alle auf Zeit bezügliche Anschauung und Auffassung, alle auf Raum und Zeit bezügliche Wahrnehmung und Eigenschaft, alle Unterscheidungen, Verhältnisse, Merkmale, Bezeichnungen, Beziehungen, Beilegungen, Bedeutungen und alle übrigen auf Raum und Zeit ruhenden Empfindungen, Vorstellungen, Begriffe, Urteile, Namen;—in nichts gesunken: Ausdehnung, Maß, Zahl, Teilbarkeit, Einheit und Vielheit, Folge und Folgerung, Anfang und Ende, Entstehen, Vergehen, Unendlichkeit, Ewigkeit—müßige Fragen dem Wissenden— Ausdruck deiner Gegenwart zum gegenständlich aufgefaßten Gedanken; deine Empfindung und nach außen Verlegung, das ist Auslegung deines Inne-be-findens; ein-Bildung und wider-Spiegelung deiner Einbildung, das ist: vor-Stellung; deine eigene Schöpfung—du selbst—an sich nichts die sogenannten Eigenschaften der Zeit, die sogenannten Eigenschaften des Raumes— Ausgelöscht mit ausgelöschten Merkmalen und Unterscheidungen ist Zeit und Raum selbst—vernichtet! Zeit und Raum sind nicht in sich. Spiel deiner Seele, ein bloßer Traum! Darum ist gesagt: "aus deiner Seele die zeit-räumliche Erscheinung". —Erscheinung!—sinnlicher Widerschein seelischer Empfindung in dir—deines eigenen Wirkens Abbild, eigengeschaffene Wirklichkeit dieser Welt—du selbst!—Keine Zeit, kein Raum in sich; keine Zeit, kein Raum in Wahrheit. —Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der Dinge Eigenschaften, eigen Gewirktes—Wirklichkeit dieser Welt.— Solches hast du klar erkannt, von solcher Erkenntnis vermagst du ferner nicht mehr abzuweichen… es sei denn, daß du—über dieses hinaus zu tieferer Einsicht gelangst.

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In dir ist Zeit und Raum, du selbst schaffst Zeit und Raum, zu eigener Lust; trägst Zeit und Raum mit dir, wie du Leben und Welt mit dir trägst. Ewig ist Zeit, unendlich ist Raum—ewig unendlich Ich und Welt.

—Es ist das Atmen der Welt, die du lebst; Schöpfer—
Vernichter.

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Und ferner, o Teurer! Noch hat niemand diesem, wovon wir reden, sein volles Recht strömen lassen, und nicht überliefert wurde mir diese Lehre; in mir selbst trat zutage, wuchs und erstarkte die Erkenntnis. Und schon einmal habe ich der Welt diese Lehre verkündet, als die Tochter des Vatschaknu vor dem Könige der Videha mich befragte; aber unverstanden von der Welt blieb diese Lehre: —"was zwischen Himmel und Erde ist, und oberhalb des Himmels und unterhalb der Erde, was sie Vergangenheit und Zukunft nennen—Raum und Zeit—o Gargi, ist eingewoben und verwoben in der Erscheinung Akasha".—Uraltes Wissen verkündige ich dir wieder: der erscheinenden Welt zeiträumliches Dasein.

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Gegensatz und Zwillingspaar ist, was du Raum und Zeit nennst. Durch Ur-sprung ist Raum, durch Raum—Zeit; wie rechts durch links, wie oben durch unten, wie Vergangenheit durch Zukunft. Wie kein rechts ohne links, kein oben ohne unten, keine Vergangenheit ohne Zukunft, so kein Raum ohne Zeit, keine Zeit ohne Raum. Zeit ohne Raum wäre nirgend; Raum ohne Zeit wäre nie. Alles was im Raum ist, entsteht und vergeht in der Zeit; alles was in der Zeit ist, entsteht und vergeht im Raum. Zeit ist ewig überall, Raum ist überall ewig. Zeit und Raum bedingen einander. Zeit und Raum mißt sich aneinander: 'ein Zeitraum, eine Stunde Wegs, eine Spanne Zeit, ein Tagwerk Land, eine geraume Zeit.' Zeit und Raum ergänzen einander. Dem Nebeneinander des Raumes entspricht das Nacheinander der Zeit. Zeit und Raum treten für einander ein. Bewegter Raum wäre Zeit; ruhende Zeit wäre Raum. Ausgebreitete Zeit heißt Raum; dauernder Raum —Zeit. Zeit und Raum schafft einander; Zeit und Raum hebt einander auf—Gegensätze, die einander schaffend, einander aufheben. Gegensätze Zeit und Raurn sind gegen-Paare, halb-Teile eines Ganzen. Gegensatz in sich nennt Ich: Zeit, Gegensatz zu sich nennt Ich: Raum. Spaltung im Ich—Zeit; gespaltenes Ich—Raum. Gegensatz räumt—Gegensatz zeitigt.

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Weder hat Zeit einen Anfang, noch ist Zeit ewig; weder hat Raum ein Ende, noch ist Raum unendlich—weder ist Zeit und Raum real, noch ist Zeit und Raum ideal;—Zeit und Raum ist Gedanke im verlangenden Ich. Zeit-Gegenwart ist ohne Dauer, also nicht Zeit; Raum-Punkt ist ohne Ausdehnung, also nicht Raum. Zeit-ewigkeit wird nicht aus Zeit, Raum-unendlichkeit wird nicht aus Raum, und wie Zeit-ur-teil keine Zeit ist, so ist Zeit-ewigkeit keine Zeit; wie Raum-ur-teil kein Raum ist, so ist Raum-unendlichkeit kein Raum. Zeit und Raum ist Gedanke im urteilend schaffenden Ich. Ich ist Zeit-einbildung, Ich ist Raum-vorstellung. Im Ich ist ewig Zeit; im Ich ist endlos Raum. Weil Ich selbst Zeit und Raum ist, darum ist Zeit immer, wann Ich ist; darum ist Raum immer, wo Ich ist; Zeit und Raum ewig unendlich, da Ich ist. 'Ewig' 'unendlich' aus dem Ich geschaffene, das Ich selbst bezeichnende Worte, Ich-ausdruck, nichts mehr. Ich ist Ausdehnung in sich zu ewiger Zeit—außer sich zu unendlichem Raum. Ich ist gegen-Wart zu Zeit und Raum. Ich-Atem, Ich-Bewegung, Ich-Ausdehnung, Ich-Wandel, Ich-Wirk-lichkeit ist Zeit und Raum. Wechselndes im Bleibenden, Beharrendes im Wechselnden: Ich.