Geringes Verständnis lebt in uns Menschen. Vom Trugbild dieser Welt geblendet, irren wir, einer dürstenden Herde gleich, dahin und dorthin, blind gegen den Quell alles Lebens. Wo ist Erlösung?—Da, wo Erkenntnis ist. Sagt dir jemand: zu verwerfen sei diese Lehre, sie hebe den Unterschied zwischen Recht und Unrecht auf, sie preise nicht das Gute und verabscheue nicht das Böse, so antworte ihm: Diese Lehre lehrt über sinnliche Erscheinung hinaus—Seelen- Einheit—über menschliches Urteil hinaus—der Menschheit höchstes Ziel: Selbstlosigkeit. Selbstlosigkeit löst aus den Fesseln des Ich, aus den Fesseln nimmer gestillten Verlangens, aus nimmer gestillter Hoffnung, aus dem Kerker dieser Welt zur urewigen Heimat. Und gewiß! Fest gefügt ist der Grundbau dieser Lehre, unerschütterlich, auf dem Grunde, der unsre Welt trägt. Ist das Eine, so ist das Andere—untrennbar; untrennbar Erlösung von dieser Lehre vollem Erleben. Nicht an vergänglichem Werke wirke ich, in der Gottheit Tiefen ruht die Lehre, Menschen im Körper schier unergründlich— unergründlich. Ehernes Tor der Erkenntnis—erlösende Wahrheit.

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So lautet in âranâda-upanishad der fünfte adhyâya: manas, Verstand und Urteil; nunmehr: buddhi, Erwachen.

VI. ERWACHEN AUS DER ERSCHEINUNG — buddhi —

Zu dem, was ich dir noch vom Kreislauf der Erscheinung zu sagen gedenke, o Teurer, erfasse wohl: Auf Einem Gedanken ruht wovon ich dir rede—Samsara; auf Umzulangen im Ur-sprüng—auf Verlangen ruht diese Welt. Eines ist, was wir, in dieser Welt erwachend, rastlos suchen; Eines, was wir, in irdischer Anschauung befangen, vielheitlich schauen; Eines nur, was wir mit zahllosen Worten benennen; alles Geschehen und alle Gestaltung, aller Geschöpfe und aller Welten all-einiger Gedanke: — Verlangen — Verlangen, dem Ursprung entquellend, Verlangen nach Überbrückung der Kluft, Verlangen nach Wiedervereinigung—unserer Leben Sinn und aller Welten Ziel: Verlangen nach Erlösung.

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Was ich dir von tiefer Erkenntnis verkündige, besitzt die Menschheit nicht, und nicht überliefert wurde mir die Lehre aus der Gemeinschaft hoher Meister—: den Sinnen entrückt, der Gedankenqual entronnen, in wunschloser Allhingebung versunken—fand ich mich erleuchtet. Erkenntnis trat zu Tage, wuchs und erstarkte. In solche Erkenntnis weihe ich dich ein; von solcher Erkenntnis getragen erachte dich auf rechtem Wege—du nahst den Wissenden.

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All-ur-sprung: ur-Teil und gegen-Teil; aus solcher Ent-zwei-ung—: ver-Langen nach Ergänzung; aus solchem Verlangen—: Tat; aus Tat-widerstand—: Erkenntnis — BUDDHI — aller Welten Hoheziel!—Erfasse den großen Gedanken, ehe deine Lippe ihn ausspricht— —Erwachen der Menschheit—

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