»Gewiß, warum sollte ich es sein? Ich bin sogar sehr froh: ich war krank und bin wieder gesund, ich lebte öde und eingeengt und lebe befreit und heiter und – ich finde zum Überfluß einen guten Freund wieder, mit dem ich manche vergnügte Stunde verlebt.«
»Sehr gütig, das der Summe Ihres Glückes zuzuzählen. Ich bin nicht so unbescheiden, diese Wendung ernst zu nehmen.«
»Sie leben nicht mehr in Breslau?« fragte sie, als sie wieder anhielten.
»Ich halte mich bei Verwandten auf dem Lande auf. Aber ich stehe in Verhandlung mit dem Direktor des Breslauer Stadttheaters und darf mir einige Hoffnung auf die Stellung eines Korrepetitors an der dortigen Oper machen. Ich habe einige Sachen von Herrn von Holtei in Musik gesetzt, und er hat die Güte gehabt, mich zu empfehlen. Ich würde das Glück haben, wieder dieselbe Luft mit Ihnen atmen zu dürfen und Sie würden mir vielleicht gestatten, Sie manchmal zu sehen.« In seinen Augen und in seiner Stimme war das Dringende, Werbende und dabei Verzweifelte einer aussichtslosen und unauslöschlichen Leidenschaft.
»Noch sind Sie nicht in Breslau,« sagte sie ruhig lächelnd, während ihre ganze Seele sich dieser Leidenschaft zukehrte und ihr Ohr mit Entzücken das Beben der Stimme neben ihr trank.
»Nein, es ist noch unsicher, doch ich darf hoffen. Herr von Holtei forderte mich auf, hierher zu kommen, um mich persönlich kennen zu lernen und um mich zur Mitwirkung heut Abend heranzuziehen.«
»Sie kamen erst heut hier an?«
»Heut Mittag. Ach! und kam so leichten Herzens! so leichten, als ich überhaupt zu haben vermag, und ohne Ahnung –«
»Mich hier zu finden. Sie wollten mich nicht wiedersehen?«
»Nein,« sagte er dumpf.