»O, müssen wir auch alle Kaufmanns- oder Doktorsfrauen sein? Ich wollte, ich wäre auch Schauspielerin.«

»Du bist nicht gescheidt, danke Gott, daß Du einen guten Mann hast.«

»Ich spielte das Gretchen oder die Ophelia. Oder das Klärchen!«

Und da sprang sie auch schon auf, breitete die Arme aus, nahm eine zärtliche Miene an und machte ihrer Tochter Konkurrenz:

»Freudvoll und leidvoll,
Gedankenvoll sein,
Langen
Und Bangen
In schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt,
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.

›Laß das Eiapopeia,‹ sagt die Mutter drauf,« fügte sie bei.

»Wirklich, ich muß hier auch so sagen,« schmollte Madame Gernoth.

»Scheltet mir's nicht, es ist ein kräftig Lied. Hab' ich doch schon manchmal ein großes Kind damit schlafen gewiegt. – ›Du hast doch nichts im Kopfe als deine Liebe,‹ mußt Du jetzt sagen, Mutter.«

»Ach laß mich.«

»Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.«