Vergiß das nicht!

Ich möchte Dich so gern einmal hier auf der Hochschule haben; es ist die beste des Nordens, und Schröders sind unsre Freunde von alters her. Liebste, Du solltest die Mädchen turnen sehen! Das wäre was für Dich, — etwas, um ganz und gar gesund zu werden. Doch davon ein andermal.

Ich habe nun 9000 Kronen Schulden bezahlt und werde noch mehr abzahlen. Dann haben wir Ruhe. Zu Weihnachten in Kristiania (bei Björns, die sich rasend freuen), und dann zurück nach Schweden, und aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch nach Finnland. Eine schwere Tournee, eine große, große Anstrengung, über die ich allein durch Mutters immer wache Pflege hinwegkomme. Dies in aller Eile. Wieder weiter!

Dein Freund Vater.

Grüße die lieben Heides und Cavlings und Kiellands und Runebergs, und danke letzteren für die Briefe!

Aulestad, 6. Januar 1888.

Liebe Bergliot, Du müßtest Mutter mit Deiner Büste herumziehen sehen, aus und ein, wie sie die verschiedensten Standorte, jede Art Beleuchtung ausprobiert; dann die Treppe damit hinauf, vor den Spiegel, wo die Büste eine Weile stehen bleibt, dann zu mir herein, damit sie nicht entzwei gehen soll. Heute wieder von da weg — ich weiß noch nicht, wohin. Vermutlich endigt sie vor dem Spiegel im Korridor auf einem eigens dazu angefertigten Sockel. — Sie ist fein, die Ähnlichkeit in einem Teil des Geistigen sicher getroffen; aber das Ganze gewissermaßen verkleinert; besonders die Unterpartie. Immerhin, — nur ein echter Künstler konnte sie modellieren. Es ist ganz famos, daß wir sie haben. Danke ihm vielmals, und innigen Dank Dir, die sie uns geschenkt hat. — Was Du über Arve schreibst, freut uns; ich wußte, er würde ein großer Meister werden. Ich habe sofort den Vater gebeten, ein Darlehen für Arves Rechnung aufzunehmen; sie muß so groß sein, wie der Junge wünscht! In zwei Jahren muß er es selbst übernehmen können. — Und es freut mich in jedem neuen Brief zu lesen, daß Du Dich mit Deiner Kunst verheiratet hast, daß eine Fertigkeit nach der andern aus Deinem gewissenhaften Fleiß im Zusammenleben mit ihr geboren wird. Dieses innige Zusammenleben ist notwendig. Besonders für Dich; denn es liegt kein, absolut kein Erbe von Virtuosität in Dir. Unsere Familie hat diese erarbeitete Gabe nicht; so daß, falls Du sie erlangst, es allein geschehen kann durch eine Energie und einen Fleiß, der seinesgleichen in der Familie nicht gehabt hat. Ohne das geht es nie und nimmer. Und wenn Du auch Deine vier (oder viereinhalb) Jahre lang singst, Du wirst sehen, Du mußt trotzdem noch immer weitermachen. Du mußt das schwer erringen, Zoll für Zoll, was andere leicht nehmen wie im Spiel. Denn Du hast kein Erbe, das Dir als Sprungbrett dient. Daß Du bereits so viel erreicht hast, muß Dich aufmuntern, immer weiter zu gehen! Und mit derselben treuen Behutsamkeit; — die darfst Du niemals außer acht lassen.

Ja, ich bin so glücklich über Deine Fortschritte und Dein Glücksgefühl, daß Du Dich ihrer selbst bewußt bist, — ja, das ist gegenwärtig mein liebster Gedanke. — Hast Du Darwin, 7. und 8. Heft gelesen? Das ist das Herrlichste in seiner Art. Stell’ Dir vor, — Einblick zu gewinnen in die Werkstatt eines so bahnbrechenden, so großen Werks, wie es der „Ursprung der Arten“ ist, eines Werks, das umwälzend gewirkt hat auf das Gedankenleben der Menschen! Ich lese auch sonst viele herrliche Dinge gegenwärtig. Und sammle Leute um mich zum Vorlesen. — Die Politik ärgert mich gewaltig; ich mag nichts über sie schreiben. Aber hier ist ein Keimen in der Luft; die Norweger sackt keiner ein!

Dein Freund Vater.

Ich kann mir kein rechtes Bild von den Leuten machen, in deren Haus Du bist; ich muß Dich mir hinter langen Gardinen in einem leeren Zimmer denken, wo Kohlen im Kamin glimmen, und sehe nur Schatten an Dir vorübergleiten. Es wäre hübsch, wenn Du mich auch Menschen sehen und Stimmen hören ließest.