Dein Freund Vater.

Liebe Bergliot, Du hättest in Norwegen sein sollen und dies Winterauftauen sehen! Es erscheint mir gar nicht anders möglich, als daß in einem Volk, das unter diesen alljährlichen Eindrücken lebt, der Glaube wachsen muß, auch die schlimmsten Hindernisse und Schwierigkeiten müßten weichen vor einem frischen Frühlingswillen in uns selbst. Der Schnee ging den Leuten bis unter die Arme, sobald sie außerhalb der gebahnten Wege gingen; und die Wege vereist, um sich Arme und Beine zu brechen. Entsetzlich kalt manche Tage, ziemlich warm an anderen, niemals gleich, immer unsicher.

Und dann eines Tags ganz unvorhergesehene Wärmegrade; anfangs ein Tröpfeln von den Dächern, Rinnsale auf den Wegen, Ballen unter den Pferdehufen; aber dann Schneestürze von den Dächern, daß die Häuser erbeben, Bäche durch die Gehöfte und Wege, der Schnee geht scheffelweise jeden Tag, Schlamm und Eis ein Brei, und alles Wasser schwarz. Wo Du gehst, ein Murmeln von Bächen, Funkeln in der Luft, blauer Dämmer im Schnee und unter den Vögeln eine Lustigkeit — die Hühner kommen heraus, die Hähne krähen, die Schweine laufen wie wahnsinnig; die bisher noch nie draußen gewesen sind, stehen ganz still, die Köpfe aneinander gedrängt und getrauen sich keinen Fuß zu rühren; die Pferde wälzen sich und sausen vorüber in rasendem Trab, und die Menschen mit Hacken, Spaten, Schaufeln, Beilen, um die Wasserströme zu regulieren und ihnen Wege zu graben, daß sie nicht den ganzen Hof mit sich fortfegen. Die Luft so stark, daß einem schwach wird, wenn man zu lang darin bleibt.

Und nun muß ich ein Lied für Dich abschreiben:

Wann wird es wirklich Morgen?

Wenn goldner Strahlenglanz

Über Firnen hüpft im Tanz,

Tief in den Abgrund dringend,

Beschwingend

Den zum Lichte kletternden Stengel,