Die das Höchste schafft,
Ist sie’s, die Dir nah?
Ja.
Grüße Griegs vielmals von uns und geh gleich zu ihnen.
Dein Freund Vater.
p. t. Lillehammer, 18. Mai 1890.
Liebe Bergliot, ich sitze hier bei Lundes, Sonntag, den 18. Mai, und schreibe ein paar Worte, damit Du nicht vergessen sein sollst. Wir fuhren gestern im herrlichsten Wetter hierher, der Wagen mit grünem Birkenlaub geschmückt, so daß wir in einem Zelt saßen, Erling auf dem Bock, Anna, Kristofersen und ich drinnen. Unsre seidne Flagge voran. Kein Mucks, weil ich dasaß und über meine Rede sann; aber alle, denen wir begegneten, wurden froher Laune, und in der Stadt große Freude. Auf dem Markt ein paar Tausend Menschen und die Stimmung gut. Am ersten Pfingsttag kommen die Rindalsleute, Gustums und einer von Svartum zu uns. Um Johanni soll ich hinunter nach Sarpsborg und dort im liberalen Verein des Smålener Bezirks reden. Vielleicht können wir uns dann auf Torö bei Frau Möller treffen. Du kommst ja diesmal auf dem Landweg und bleibst ein paar Tage bei Hegels? — Mutter will nicht vor dem Herbste hin, sie reist dann mit Dir. Ich wollte, der Teufel holte die Matinee in der Salle Erard! Deinen Brief mit den Montmartre-Schilderungen schicke ich Mutter. Dann ist ein lieber Brief von Ragna Kristensen eingetroffen, die Dagnys Lehrerin werden sollte und am liebsten sofort gekommen wäre; aber nun hat Jenny eine Stellung für sie gefunden als Gesellschaftsdame bei einem reichen Herrn, Dr. Rohde, der eine kranke Frau hat und ein Kind, mit denen er nach Paris will. Kennst Du Ragna? Ihr werdet sehr gute Freunde werden!
Dr. Georg Brandes ist in Kristiania. Sein Zweck ist lediglich, indirekt und direkt mich unmöglich zu machen. Thommessen sein getreuer Helfer. Aber seine Zeit ist vorbei.
Mein guter, lieber Schatz, Dein letzter Brief atmete Zuversicht und Freude, und es tat mir wohl, das zu lesen. Wärst Du nur bald bei uns! Ach, wie schön es jetzt hier ist! Nach einem starken Regen hat alles starke Fortschritte gemacht; ein Duft gestern von Vogelkirsche und Birke ohne Unterlaß, und die Sturzbäche dampften. Aller Frühling ist ein Bild des Starken. Ich schloß meine Rede gestern mit einem Bild von zwei Staren, die an der Südecke unsres Hauses sich ihr Nest gebaut haben. Das Männchen sitzt auf dem Knauf der Flaggenstange und singt ihr vor und spielt und unterhält sie, während sie sitzt und brütet. Und sein Spielen und Singen deute ich als die Festtage zwischen den Arbeitstagen; sie sangen und spielten auf für die Frühlingsarbeit im Land. — Aber komm nun auch Du und singe und spiele auf für die Frühlingsarbeit, die Zukunftssaat — erst in Deinem Vaterhaus und später für das ganze Land. So alt wir sind, wir haben den Glauben, daß es der Frühling ist, dem wir dienen, und die Arbeit ihr neues Lied verdient.
Dein Freund Vater.