Als Marit an diesem Abend hinaufging, um sich schlafen zu legen, war sie so froh, daß sie das Fenster öffnete, sich hinauslehnte und sang. Sie hatte ein kleines, feines Liebeslied erhalten, das sang sie.
Liebst du mich, wie ich
Herzlich liebe dich,
Fehlt mir nichts zu meinem Glücke.
Ach wie ist so weit
Nun die Sommerszeit;
Doch sie kehrt im nächsten Jahr zurücke.
Sitzt ein Vögelein
Vor dem Fenster mein,
Mit dem Schnabel pocht es an die Scheiben:
Meine Liebe ists,
Die mir sagt: Ihr wißts,
Treu, ja treu wollt ihr euch ewig bleiben!
Und es zwitschert leis:
Ob ers wirklich weiß
Hinterm Wald mit all den dichten Zweigen?
Bricht die Nacht herein,
Möchtst du bei ihm sein,
Soll ich her zu dir den Weg ihm zeigen?
Stille, rühr dich nicht!
Nein, das tat ich nicht,
Nicht ein Wort hab ich gesagt von Küssen;
Hast du das gehört,
Warst du ganz betört,
Würde mich ja vor ihm schämen müssen!
Ungesprochnes Wort,
Das kann doch nicht fort
Huschen wie ein Vogel durch die Bäume.
Gute, gute Nacht!
Ob dein Auge lacht,
Liebster, heute mir durch meine Träume?
Jetzt geh ich zur Ruh,
Schließ die Augen zu,
Botschaft wird von dir der Traum mir bringen.
Mehr willst ja von mir,
Mehr will ich von dir
Nicht, als daß dir leis die Ohren klingen.
12
Mehrere Jahre sind seit diesem letzten Auftritt vergangen.
Es ist Herbst, der Schulmeister kommt nach Nordistuen heraufgegangen, öffnet die äußere Tür, findet niemand zu Hause, öffnet noch eine Tür, findet niemand zu Hause, geht dann immer weiter bis in die innerste Kammer des langen Gebäudes; dort sitzt Ole Nordistuen allein vor dem Bett und betrachtet seine Hände.