Der Schulmeister grüßt und wird willkommen geheißen; er nimmt einen Schemel und setzt sich vor Ole. „Du hast einen Boten nach mir geschickt,“ sagt er. — „Ja, das habe ich getan.“

Der Schulmeister nimmt einen neuen Priem, sieht sich in der Kammer um, greift nach einem Buche, das auf der Bank liegt, und blättert darin. — „Was wolltest du denn von mir?“ — „Ich sitze hier gerade und denke darüber nach.“

Der Schulmeister läßt sich Zeit, zieht seine Brille hervor, um den Titel des Buches zu lesen, putzt sie und setzt sie auf. — „Du wirst nun alt, Ole.“ — „Ja, gerade darüber wollte ich mit dir sprechen. Es geht bergab mit mir, bald liege ich da.“ — „Dann sorge dafür, daß du eine sanfte Ruhe bekommst, Ole“ — er schließt das Buch, sitzt da und sieht nach dem Fenster hinaus.

„Das ist ein gutes Buch, das du da in den Händen hast.“ — „Es ist nicht übel; bist du oft über den Einband hinausgekommen, Ole?“ — „Hm; in der letzten Zeit, da —“

Der Schulmeister legt das Buch hin und steckt die Brille wieder ein. — „Es geht dir jetzt wohl nicht nach Wunsch, Ole?“ — „Nach Wunsch ist es mir nicht gegangen, solange ich zurückdenken kann.“ — „Ja, so war es auch lange Zeit mit mir. Ich lebte in Unfrieden mit einem guten Freund und wollte, er sollte zu mir kommen, und so lange war ich unglücklich. Da kam ich auf den Gedanken, zu ihm zu gehn, und seither ist es mir wieder gut ergangen.“ — Ole steht auf und schweigt.

Der Schulmeister: „Wie denkst du denn, daß es mit dem Hofe geht, Ole?“ — „Bergab, so wie mit mir selber.“ — „Wer soll ihn übernehmen, wenn du fortgehst?“ — „Das ist es ja, was ich nicht weiß; und das ist es auch, was mich quält.“

„Deinen Nachbarn geht es jetzt gut, Ole.“ — „Ja, die haben auch den Agronomen zur Hilfe, die.“

Der Schulmeister wendet sich gleichgültig nach dem Fenster: „Du würdest auch Hilfe haben, du auch, Ole. Viel gehn kannst du nicht mehr, und vom neuen Stil hast du keine Ahnung.“ — Ole: „Da ist niemand, der mir helfen wollte.“ — „Hast du schon darum gebeten?“ — Ole schweigt.

Schulmeister: „Ich stand lange so mit dem lieben Gott, ich. ‚Du bist nicht gut mit mir,‘ sagte ich zu ihm. ‚Hast du mich darum gebeten?‘ fragte er. Nein, das hatte ich nicht getan; so bat ich denn, und seither ist es sehr gut gegangen.“ — Ole schweigt, aber nun schweigt auch der Schulmeister.

Endlich sagt Ole: „Ich habe eine Enkelin, sie weiß, was mir Freude machen würde, ehe ich heimfahre, aber sie tut es nicht.“ — Der Schulmeister lächelt: „Vielleicht würde das ihr keine Freude machen.“ — Ole schweigt.