Schulmeister: „Da sind viele Dinge, die dich bekümmern; aber soweit ich verstehn kann, dreht es sich doch schließlich alles um den Hof.“ — Ole sagt leise: „Er ist seit vielen Geschlechtern in der Familie gewesen, und der Boden ist gut. Alles das, was Vater nach Vater im Schweiße des Angesichts geschaffen haben, liegt darin, aber jetzt will hier nichts mehr gedeihen. Auch weiß ich nicht, wenn sie mich nun hinausfahren werden, wer hier dann einfahren wird. Aus diesem Geschlechte wird er nicht sein.“ — „Die, die deiner Tochter Tochter ist, wird das Geschlecht fortpflanzen.“ — „Aber der, den sie nimmt, wie wird der auf dem Hofe wirtschaften? Das muß ich wissen, ehe ich mich niederlege. Es hat Eile, Baard, mit mir und mit dem Hofe.“
Sie schwiegen beide; endlich sagte der Schulmeister: „Wollen wir nicht ein wenig hinausgehn und uns auf dem Hofe umsehen bei dem schönen Wetter?“ — „Ja, laß uns das tun! Ich habe Arbeiter oben im Gebirge, sie sollen Laub herunterholen, aber sie arbeiten nicht, wenn ich nicht immer dabei stehe.“ — Er humpelte hin, um die große Mütze und den Stock zu holen, und sagte derweil: „Sie mögen nicht gern bei mir arbeiten; ich begreife es nicht.“ — Als sie glücklich hinausgekommen waren und um die Ecke des Hauses bogen, blieb er stehn: „Da siehst du es! Keine Ordnung! Das Holz ist ringsumher geworfen, das Beil ist nicht in den Block gehauen.“ — Er bückte sich mühsam, hob es auf und schlug es hinein. — „Da siehst du, daß ein Fell heruntergefallen ist, hat es aber jemand wieder aufgehängt?“ — Er tat es selbst. — „Und hier die Vorratskammer; meinst du, daß die Treppe wieder weggenommen ist?“ — Er trug sie auf die Seite. Da blieb er stehn, sah den Schulmeister an und sagte: „So geht es tagaus, tagein.“
Als sie bergauf gingen, hörten sie einen fröhlichen Gesang von den Bergabhängen herab. — „Ei, sie singen ja zur Arbeit,“ sagte der Schulmeister. — „Das ist der kleine Knud Östistuen, der da singt; er holt Laub für seinen Vater. Dort arbeiten meine Leute; die singen sicher nicht.“ — „Dies ist doch keine von den Weisen aus dem Kirchspiel, dies.“ — „Nein, ich höre es!“ — „Öyvind Pladsen ist viel drüben in Östistuen gewesen; vielleicht ist es eine von denen, die er mit heimgebracht hat, denn wo er ist, da wird gesungen.“ — Hierauf erfolgte keine Antwort.
Das Feld, über das sie gingen, war nicht gut; es entbehrte der Pflege. Der Schulmeister bemerkte es, und da blieb Ole stehn. — „Ich habe keine Kraft mehr dazu,“ sagte er beinahe erschüttert. — „Fremde Arbeiter ohne Beaufsichtigung werden zu kostbar. Aber es ist schwer, über so ein Feld zu gehn, das kannst du mir glauben.“
Als dann das Gespräch zwischen ihnen auf die Größe des Gehöfts kam, und was am meisten der Pflege bedürfe, beschlossen sie, den Abhang hinaufzugehn, um das Ganze zu übersehen. Als sie endlich an einen hochgelegnen Punkt gelangt waren und alles überblickten, war der Alte sehr bewegt: „Ich möchte dies alles nicht gern so verlassen. Wir haben da unten gearbeitet, meine Vorfahren wie ich, aber es ist nichts davon zu sehen.“
Da erschallte unmittelbar über ihnen ein Lied, aber mit der eigentümlichen Schärfe gesungen, wie sie der Knabenstimme eigen ist, wenn sie so recht drauflos singt. Sie waren nicht weit von dem Baum, in dessen Wipfel der kleine Knud Östistuen saß und Laub für seinen Vater abschlug, und sie mußten auf den Knaben lauschen:
Willst du auf den Berg hinauf
Und dein Bündel schnüren,
Packe dir nicht mehr darauf,
Als du leicht kannst führen.
Nimm nicht mit des Tales Zwang
Auf die grünen Triften,
Wirf ihn ab mit frohem Sang,
Laß ihn in den Klüften.
Vögel grüßen dich vom Zweig,
Laß den Klatsch da unten;
Höher, immer höher steig,
Und du wirst gesunden.
Sing dir frei und leicht die Brust!
Aus den Büschen blicken
Kindheitsträume voller Lust,
Grüßen dich und nicken.
Schaust du in die Runde weit,
Bleibst du lauschend stehen,
Wird das Lied der Einsamkeit
Mächtig dich umwehen.
Leise nur die Bächlein gehn,
Nur die Steine rollen;
Du, du wirst es neu verstehn,
Dein vergeßnes Wollen.
Bebe nur, du bange Seel,
Du wirst überwinden!
Frieden wirst, was dich auch quäl,
Du dort droben finden.
Mosen und Elias wirst
Und den Herrn du schauen,
Nicht mehr in der Fremde irrst
Du mit Gottvertrauen.