III

Noch einer von jenem Balle dampfte gleichzeitig über den Atlantischen Ozean; das war Hjalmar Olsen. Das Schiff wurde von einem ewigen Nordweststurm verfolgt, und wenn es allzu arg wurde, trank er Grog dazu. Aber jedesmal wenn er es tat, wunderte er sich, daß er einer Erinnerung vom Balle von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand; der kleinen Rosenroten, „der mit dem Zopf“. Hjalmar Olsen meinte, er habe sich ihr gegenüber ziemlich gentlemanlike benommen.

Anfangs dachte er nicht weiter darüber nach. Zweimal war er verlobt gewesen, und beide Male war es auseinander gegangen; sollte er zum dritten Male daran gehen, so mußte er auch gleich heiraten. Diese Erwägungen stellte er wohl an, ja, hatte sie schon öfter angestellt, aber er achtete nicht genauer auf seine eigenen Gedanken. Ein Dampfer brauchte nicht viele Tage und Nächte zwischen den Häfen, und jedesmal fand sich Unterhaltung genug. Er ging nach New-York, von dort nach New-Orleans, er fuhr hinunter nach Brasilien und von da wieder herauf. Dann wieder hinunter und endlich von dort direkt nach England und Norwegen. Aber oft unterwegs, wenn er allein war, und meistens beim Glase Grog, traf er „die mit dem Zopf“. Merkwürdig, wie sie ihn angesehen hatte. Er wurde innerlich gut, wenn er daran dachte. Vom Briefschreiben hielt er nicht viel, sonst hätte er es diesmal vielleicht getan. Als er aber nach Christiania kam und von einem Manne aus der Stadt dort unten hörte, daß ihre Mutter im Sterben liege, da dachte er gleich: ich will mich wirklich nach ihr umsehen. Vielleicht findet sie es hübsch von mir, wenn ich es gerade jetzt tue.

Zwei Tage später saß er vor ihr in dem kleinen Wohnzimmer, das auf den Markt und nach dem Hotel hinaus ging. Seine starken Hände, dunkel von der Sonne und von Haaren, strichen über die Knie, während er sich lächelnd vorbeugte und fragte, ob sie ihn haben wolle.

Sie saß niedriger als er; ihr voller Busen und die festen Arme waren von einem braunen Kleide umspannt, auf das er niederblickte, wenn er ihr nicht ins Gesicht sah, das so bleich und zart war. Sie fühlte das Wandern seiner Augen; sie kam aus dem Nebenzimmer und von Todesgedanken; sie hörte oben eine kleine Uhr melden, daß es sieben Uhr sei; es melden wie ein Kuckuck, und diese kleine Erinnerung an alles, was hier jetzt vorüber war ... eins mit dem andern machte, daß sie sich mit Tränen in den Augen von ihm abwandte: „Ich kann jetzt unmöglich an dergleichen denken.“ Sie stand auf und trat zu ihren Blumen im Fenster.

Da mußte auch er aufstehen. Vielleicht antwortet sie mir später, dachte er, und diese Gedanken gaben ihm Worte, ein wenig unbeholfen wohl, aber deutlich. Sie schüttelte den Kopf und blickte nicht auf.

Er ging. Draußen nahm er den verkehrten Weg, und als er umkehrte und das Haus wiedersah, das kleine Puppenhaus, da verspürte er Lust, alles ins Wasser zu werfen.

Die Nacht hindurch wartete er auf das Dampfschiff aus Christiania; Peter Klausson und ein paar andere Kameraden halfen ihm dabei, und es dauerte nicht lange, so hatten sie ausfindig gemacht, in welcher Angelegenheit er gekommen, und wie es ihm ergangen war. Sie wußten auch, wie es ihm früher schon zweimal gegangen war. Hjalmar Olsen trank entsetzlich zu dem, was er litt. Tags darauf erwachte er in den größten Qualen auf dem Dampfschiff.