Später dachte sie oft daran. Anstatt diesem unmittelbaren Eindruck nachzugeben, fing sie an zu sinnen, was wohl geschehen würde, wenn sie jetzt wieder nein sagte! Sie hatte ja seine Freundlichkeit angenommen, obgleich sie wußte, was kommen würde. Die Bedingungen, die Bedingungen — mögen sie entscheiden! Nahm er sie an, so sollte es sein, und dann hatte es auch wohl keine besondere Gefahr. So schrieb sie und nannte die Bedingungen.
Er kam am nächsten Tage und bat um die notwendigen Papiere, dann würde er selbst alles ordnen, sowohl das mit dem Ausschluß der Gütergemeinschaft wie mit dem Kontrakt; er faßte es also als Geschäft auf und schien wohl zufrieden.
Drei Tage darauf wurden sie getraut. Große Feierlichkeit und großer Zulauf; die Zeitungen hatten nämlich darauf aufmerksam gemacht. Huldigung und Ehrenbezeugungen hinterher, Prunk und Reden untermischt mit Witzen über seine Größe und ihre Kleinheit — es dauerte von fünf Uhr nachmittags bis zwölf, ein Uhr nachts in ziemlich gemischter Gesellschaft. Als es spät wurde und der Champagner gar kein Ende nahm, wurden viele lärmend und tüchtig zudringlich. Darunter auch der junge Ehemann.
Am nächsten Morgen sieben Uhr saß Ella angekleidet und ganz allein in einem Zimmer neben der Schlafstube, deren Tür offen stand; sie hörte ihren Mann dort schnarchen.
Leichenblaß und still saß sie, gelähmt durch die Schrecken der Nacht, ohne Tränen, ohne Empfindung. Sie teilte die Ereignisse der Nacht in zwei Teile: in das, was geschehen war, und das was gesagt worden — sie wußte nicht, was am schlimmsten gewesen.
Die Begierde dieses Mannes war von tödlichem Haß entflammt! Als sie das erste Mal nein gesagt, hatte er es zum Ziel seines Lebens gemacht, sie dahin zu bringen, daß sie ja sagte; das erzählte er. Erzählte, daß sie für den Verruf büßen solle, in den er gekommen, — nahe daran, zum drittenmal bloßgestellt zu werden. Sie solle für alle büßen, sie, die es gewagt hatte, kränkende Bedingungen zu stellen! Wie ein Ding, wie eine Dirne würde er sie behandeln!
Ihrer Berechnung werde er das Genick brechen, wie einer Garneele, — sie solle sich nur unterstehen, nicht mit an Bord gehen oder irgend etwas selbst verwalten zu wollen!
Dann das, was geschehen war —! Die Schale einer Fliege in einem Spinngewebe, zerfressen und leergeschlürft, das war’s woran sie dachte.
Aber ungefähr Ähnliches hatte sie schon einmal empfunden! O Gott, die Nacht nach dem Balle! Eine unbestimmte Empfindung, daß sie in jener Nacht für diese letzte bestimmt wurde ..... aber sie konnte es sich nicht klar machen. Hingegen fragte sie sich, ob das, was uns nicht glückt, tiefer über uns bestimmt als das, was glückt?
Drei, vier Stunden später saß Hjalmar Olsen am Frühstückstisch, schwerfällig und schweigend; aber er beobachtete höfliche Formen, als ob nichts vorgefallen sei. Vielleicht war er zu betrunken gewesen, um ganz verantwortlich gemacht werden zu können; oder vielleicht war die Höflichkeit Berechnung, um sie für einen Besuch an Bord zu gewinnen. Er bat nämlich darum, als er vom Tische aufstand.