Aber weder durch Drohungen noch durch Lockungen, weder zum Aufenthalt noch zum Besuch bekam er sie mit an Bord. Die Furcht rettete sie.

Einige Monate später saß sie in ihrer Vaterstadt im eigenen kleinen Hause. Die Zeitungen machten bekannt, daß sie Schülerinnen für Klavierspiel und Handelsrechnung suche.

Sie war schwanger.

Ein Jugendfreund Axel Aarö’s besuchte sie. Er solle sie vielmals von Aarö grüßen und ihr Glück zu ihrer Heirat wünschen. Sie zwang die aufquellende Bewegung nieder und fragte sanft, wie es Axel Aarö gehe. O, ganz ausgezeichnet; er sei immer noch bei demselben alten Manne, der nach und nach alles für ihn geworden sei. Dies sei so recht etwas für Aarö; es paßte ihm daß einer alles für ihn geworden. Und dann habe er eine Kur gegen sein ererbtes Übel durchgemacht; er selbst glaube, daß er geheilt sei. Wie es Frau Holmbo gehe, fragte Ella. Sie erschrak, als sie es ausgesprochen hatte; aber es war eine unwillkürliche Bitterkeit, die hervorbrach. Sie hatte Frau Holmbo so mager und bleich gesehen; Frau Holmbo vermißte ihn wohl, und das war zuviel.

Der Freund lächelte: „O, Sie haben das dumme Gerücht gehört? Nein, Axel Aarö war nur der Vermittler zwischen ihr und dem, den sie heimlich liebte. Die beiden Freunde hatten im Auslande zusammen gewohnt. Vor einigen Monaten war der Betreffende auf einer Geschäftsreise in Kopenhagen, und Frau Holmbo war auch hinunter gereist. Aber es war gewiß schon lange irgend etwas zwischen ihnen nicht mehr in Ordnung.“

An diesem Abend weinte Ella noch lange, bevor sie einschlief. Sie lag und streichelte ihren Zopf, den sie über die Brust gezogen hatte. Oft hatte sie daran gedacht, ihn abzuschneiden; aber er war noch da.

IV