Außer all den Leuten, die in einer Gesellschaft waren, war von jetzt ab immer noch einer da. Nie mehr allein, nicht auf der Straße, nicht zu Hause. Und der Zopf war das heilige Zeichen geworden.
Im Frühling begegnete Frau Holmbo ihr auf der Straße. Ella kam mit ihrem Psalmbuch in der Hand vom Prediger. „Gehen Sie zum Konfirmationsunterricht?“ — „Ja.“ — „Ich habe einen Gruß für Sie. Können Sie raten, von wem?“ — Nun war Frau Holmbo eine Freundin von Axel Aarö’s Schwester und beständig mit der Familie zusammen. Ella wurde rot und konnte nicht antworten. „Ich sehe schon, Sie wissen, von wem,“ sagte Frau Holmbo, und noch roter wurde Ella. Mit einem Lächeln, das ziemlich überlegen war — und davon hatte die schönste Dame der Stadt im Überfluß — sagte sie: „Axel Aarö schreibt nicht gern. Jetzt bekamen wir den ersten Brief nach seiner Abreise. Aber darin schrieb er, wenn wir „die mit dem Zopf“ sähen, sollten wir sie von ihm grüßen. Sie hat bei Möhrings Lied geweint; das hättet ihr andern auch tun können, schreibt er.“
Die Tränen kamen Ella in die Augen. „Na, na,“ tröstete Frau Holmbo, „dabei ist doch nichts Böses.“
II
Zwei Jahre später, im Winter, kam Ella mit ihren Schlittschuhen in der Hand hurtig vom Eise herauf. Sie hatte zum erstenmal die neue anschließende Jacke an; es war wirklich hauptsächlich diese, die sie hinaus getrieben hatte. Der Zopf kam munter unter der grauen Mütze hervor, er war dicker und länger denn je; es ging ihm vortrefflich.
Sie machte wie immer einen Umweg bei „Andresens an der Ecke“ vorbei; das Haus zu sehen genügte ihr.
Und gerade, als ihr Auge auf das Haus fiel, stand Axel Aarö in der Tür. Er kam langsam die Treppe herunter; er war wieder zu Hause! Der blonde Bart fiel zierlich auf das schwarze Pelzwerk, die Pelzmütze bedeckte die kurze Stirn ganz und gar, so daß sie die Augen einrahmte, die großen anziehenden Augen.