Er trug sich mit einem Liede, dessen Kehrreim war: "Über die hohen Berge." Er wurde aber nie damit fertig, und das lag hauptsächlich daran, daß er den Kehrreim in jeder zweiten Zeile haben wollte; zuletzt gab er es auf.
Mehrere der Lieder aber, die er gedichtet hatte, kamen unter die Leute und fanden Beifall; manche hätten gern mit ihm geredet, zumal sie ihn noch als Knaben gekannt hatten. Arne aber hatte Angst vor allen, die er nicht kannte, und dachte schlecht von ihnen, vor allem weil er glaubte, sie dächten schlecht von ihm.
Bei allen Feldarbeiten stand ihm ein Mann in mittleren Jahren zur Seite, Knut vom Oberland, der die Angewohnheit hatte, mitunter zu singen, aber immer dasselbe Lied. Als das ein paar Monate so fortgegangen war, dachte Arne, er müsse ihn doch mal fragen, ob er nicht noch andere Weisen könne. "Nein", sagte der Mann. So gingen einige Tage hin, und als der Mann wieder einmal sein Lied sang, fragte Arne: "Wie ist es gekommen, daß Du dies eine gelernt hast?"—"Ach, das kam so", sagte der Mann.
Gleich darauf ging Arne ins Haus; da aber saß die Mutter und weinte, was er seit des Vaters Tode nicht mehr gesehen hatte. Er tat, als bemerke er's nicht, und ging wieder auf die Tür zu; aber er fühlte, wie die Mutter ihm schwermütig nachsah, und mußte stehen bleiben.—"Warum weinst Du, Mutter?"—für eine Weile blieben seine Worte der einzige Laut in der Stube, und deshalb stellte sich die Frage ihm immer wieder, so daß er schließlich fühlte, sie habe nicht zart genug geklungen. Er fragte also noch einmal: "Warum weinst Du, Mutter?"
"Ach, ich weiß auch nicht"; aber nun weinte sie noch mehr. Er stand eine ganze Zeit da, und dann sagte er so mutig, wie er konnte: "Du weinst über was Bestimmtes." Wieder blieb es still. Er fühlte sich sehr schuldig, obwohl sie nichts gesagt hatte und er nichts Bestimmtes wußte. "Es kam so über mich", sagte die Mutter. Nach einer Weile fügte sie hinzu: "Ich bin ja im Grunde so glücklich", und dann weinte sie wieder.
Arne aber ging schnell hinaus; es zog ihn zu der Felswand hin. Er setzte sich so, daß er hinunterschauen konnte, und wie er dasaß, kamen ihm auch die Tränen. "Wenn ich nur wüßte, worüber ich weine", sagte Arne.
Über ihm auf dem umgepflügten Acker aber saß Knut und sang sein Lied:
"Ingerid Sletten von Sillegjord
Hatte weder Silber noch Gold,
Nur ein bunt Häubchen, drin bräutlich hold
Einst Mutter zur Kirche fuhr.
Nur dies Vermächtnis von Elternhand,—
Hatte sonst nichts in Keller noch Schrein;
Doch ihr arm Häubchen vom Mütterlein
Wog schwerer als aller Tand.
Sie barg es zwanzig Jahre fromm
Vor Licht und Tageslaut.
—Ich trag' es wohl noch einmal als Braut
Wann ich zum Herrgott komm'!