"Lieber Junge, willst Du denn bei dem Prachtwetter nicht draußen bleiben?"—sagte Mutter, saß dabei auf dem Altan und sang:
"Es war ein so schöner, sonniger Tag,
Es litt mich nicht lange drinnen;
Ich ging auf die Wiese und lag und lag
Und summte so recht in Sinnen.
Da kamen Nattern, drei Ellen lang,
Und wollten sich sonnen—doch ich entsprang."
"Bei solch einem Gotteswetter können wir barfuß laufen",—sagte Mutter und zog die Socken aus.
"Es war ein so schöner, sonniger Tag,
Es litt mich nicht lange drinnen;
Ich sprang in ein Boot und lag und lag
Und lauschte dem Raunen und Rinnen.
Da hat mir die Sonne die Nase zerbrannt.
Immer alles mit Maß! Und ich ging an Land."
"Jetzt werden wir 's Heu wohl trocken hereinbringen",—sagte Mutter und warf's mit dem Rechen durcheinander.
"Es war ein so schöner, sonniger Tag,
Es litt mich nicht lange drinnen;
Ich klomm auf 'nen Baum; potz Donnerschlag,
Hier treibt ihr mich nicht von hinnen!
Da rutscht' eine Raupe mir vorn in die Brust,—
Ich hüpfte und schrie; das war eine Lust!"
"Na, wenn die Kuh heut den Koller nicht kriegt, so kriegt sie ihn nie", sagte Mutter und blinzelte hinauf in die Glut.
"Es war ein so schöner, sonniger Tag,
Es litt mich nun einmal nicht drinnen;
So ruht' ich nicht, bis ich im Wasserfall lag:
Da war wohl nun Ruh zu gewinnen.
Die Sonne schien weiter, indes ich versank,—
Und ist dies Lied deines,—bist du's, der ertrank."
"Bloß drei solche sonnige Tage, und alles ist unter Dach",—sagte Mutter und ging mein Bett machen.
Trotzdem wurde das Zusammenleben mit der Mutter mit jedem Tage ein größeres Glück für ihn. Was sie nicht verstand, schlug ebensogut eine Brücke zu ihm wie das, was sie verstand. Denn über alles, was sie nicht verstand, dachte er nur um so eingehender nach, und sie wurde ihm nur lieber dadurch, daß er nach allen Seiten die Grenzen in ihr erkannte. Ja, sie wurde ihm unendlich teuer!