Jung Venevil hüpfte auf leichtem Schuh
Ihrem Liebsten zu.
Da klang's ihr entgegen wie Lerchenschlag:
"Guten Tag! guten Tag!"

Und all die kleinen Vöglein sangen lustig mit im Hag:
"Zum Fest Sankt Johanns
Da gibt's Lachen und Tanz;
Doch nicht aus jedem Kränzlein wird ein hochzeitlicher Kranz!"

Sie flocht ihm eins aus den Veiglein der Au:
"Meine Äuglein blau!"
Hoch warf er's empor in den Lenzsonnenschein:
"Leb' wohl, Freundin mein!"
Und jubelte und stürmte wie ein Füllen feldein:
"Zum Fest Sankt Johanns…"

Sie flocht ihm eines aus ihrem hellen Haar:
"Du nimmst es, nicht wahr?"
Sie flocht, sie bot ihm zum seligen Bund
Ihren roten Mund:
Er nahm und bekam ihn—und ihr Herz in Flammen stund.

Sie flocht eines weiß in ein Lilienband:
"Meine rechte Hand."
Und eines, zu dem sie Blutrosen schnitt:
"Meine linke mit."
Er nahm sie alle beide,—doch sein Blick zur Seite glitt.

Sie flocht eins aus Blumen überallher:
"Ich fand nicht mehr!"
Sank weinend zu Boden, flocht weiter ohne Ruh:
"Nimm die, alle, du!"
Er sagte nichts und nahm sie nur—und floh den Bergen zu.

Sie flocht ihm eins ohne Farben ganz:
"Meinen Hochzeitskranz!"
Sie flocht, bis sie nichts mehr vor Tränen sah:
"Setz' dir den auf, ja?"
Doch da sie sich tat wenden, stand niemand mehr da.

Und weiter flocht sie, versunken ganz
An dem Hochzeitskranz.
Doch jetzt war es längst übers Fest Sankt Johanns,
Weit der Lenz und sein Glanz:
Noch aus Eisblumen flocht sie—doch im Flechten zerrann's…
"Zum Fest Sankt Johanns—
Da gibt's Lachen und Tanz;
Doch nicht aus jedem Kränzlein wird ein hochzeitlicher Kranz!"

Es war die Wehmut in ihm, die auf das erste Liebesbild, das durch seine Seele zog, ihre tiefen Schatten warf. Eine doppelte Sehnsucht: jemanden lieb zu haben und etwas Großes zu werden, die beiden Wünsche verschmolzen in eins. In dieser Zeit arbeitete er wieder an dem Gedicht "Über die hohen Berge", änderte dran herum, sang und dachte bei sich selbst: "Es wird schon noch glücken; ich singe solange, bis ich den Mut finde." Er vergaß die Mutter in diesen seinen Wandergedanken nicht; er tröstete sich nämlich mit dem Vorsatz: sobald er festen Fuß in der Fremde gefaßt habe, würde er sie holen und ihr ein Los bereiten, wie er es daheim nimmermehr sich oder ihr schaffen könne. Mitten in diese große Sehnsucht hinein aber stahl sich etwas Stilles, Frisches, Feines, huschte weg und kam wieder, tauchte auf und verschwand, und da er zum Träumer geworden war, hatten diese unwillkürlichen Gedanken weit mehr Macht über ihn, als ihm selber bewußt war.

Im Dorf lebte ein vergnüglicher alter Mann, Ejnar Aasen mit Namen. Als Zwanzigjähriger hatte er sich das Bein gebrochen; seit der Zeit ging er am Stock; aber wo er mit seinem Stock angehumpelt kam, ging es lustig zu. Der Mann war reich; ein großes Gehölz von Nußsträuchern lag auf seinem Grund und Boden, und an einem recht schönen, sonnigen Tag im Herbst pflegte eine ganze Schar fröhlicher Mädchen bei ihm zum Nußpflücken versammelt zu sein. Tags war große Bewirtung und abends Tanz. Bei den meisten Mädchen hatte er Gevatter gestanden; denn er stand beim halben Dorf Gevatter; alle Kinder nannten ihn Pate, und alt und jung sprach es nach.