Wie all das gekommen, mir sagt's kein Vermuten;
Es war kein Stürmen, kein Überfluten,
Im Innern ein spielender, blinkender Bach
Ergoß in den Strom sich allgemach,
Der mächtig, so mächtig wallet zum Meere.
Mich dünkt, ein Etwas in diesem Leben
Dringt rufend ans Herz, dem die Sehnsucht gegeben,
Die lockende Macht, die zärtliche Brust,
Den Leid und Scheu und Wanderlust
In Frieden als Brautgabe können umfangen.
Entsandt das Leben mir solch einen frommen
Glücksboten wie den, dessen Ruf ich vernommen,
So fühl' ich das Walten der Gottheit bezeugt,
Die alles lebendigen Ordnungen beugt,—
Still werd' ich zum ewig Guten getragen.
Aber keins gab wohl sein Dankgefühl so wieder wie das folgende:
Die Macht, die mir gab mein schlichter Gesang,
Bewirkte, daß Lebens Leid und Wonne
Glückselig fielen wie Tau und Sonne
Auf der Seele wogenden Frühlingsdrang,
Daß kein Geschehen
Sie niederbricht,—
Im Lied erstehen
Ihr Liebe und Licht.
Die Macht, die mir gab mein schlichter Gesang,
Verbündet mich allen, die Sehnsucht empfinden;
Drum konnte mir nichts die Seele binden,
Nie dauernd mich hemmen ein selbstischer Zwang;
Fortstürmend bangt' ich
Vor Mühsal nicht,—-
Und heimwärts gelangt' ich
Zu Liebe und Licht.
Die Macht, die mir gab mein schlichter Gesang,
Die gibt mir vielleicht auch Macht über andre,
So daß ich vom Weg aus, den ich wandre,
Sie manchmal erfreue durch freundlichen Klang.
Dies will mir erscheinen
Als schönstes Gedicht,
Wenn Lieder uns einen
In Liebe und Licht.
Sechzehntes Kapitel
Es ging auf den Herbst, die Bauern waren beim Einfahren. Ein klarer Tag war es; in der Nacht und am Morgen hatte es geregnet, daher war die Luft milde wie im Sommer. Es war ein Sonnabend, trotzdem aber steuerten viele Boote über den Schwarzen See auf die Kirche zu, die Männer saßen in Hemdsärmeln und ruderten, die Frauen mit hellen Kopftüchern saßen vorn im Boot. Aber noch mehr Boote steuerten nach Böen hinüber, um nachher von dort aus in langem Zuge abzufahren, denn heut richtete Baard Böen für seine Tochter Eli und Arne Nilsson Kampen die Hochzeit aus.
Alle Türen waren offen, viele Leute gingen aus und ein, die Kinder standen, Kuchen in den Händen, draußen auf dem Hof, voll Angst um ihre neuen Kleider und blickten sich fremd an; eine alte Frau saß ganz allein oben auf der Treppe zum Vorratsschuppen: das war Margit Kampen. Sie trug einen breiten, silbernen Ring, an dessen oberer Platte mehrere kleine Ringe befestigt waren; zuweilen schaute sie ihn an; sie hatte ihn von Nils bekommen, an dem Tag, als sie mit ihm vor dem Altar stand, und hatte ihn seitdem nie wieder getragen.