Zu Gott ging sie bald,
Weg gab man das Kind;
Einschlief's in der Fremde,
Vom Weinen schier blind;
Doch Kosen und Mutterwort hellten die Räume:
Denn die Engel lachten ihm kindliche Träume.

Heran wächst das Kind,
Die Träne erstarrt;
Einschläft's mit Gedanken;
Die lasten so hart!
Doch nicht weichen die Engel, sie scheuchen die Sorgen:
"Schlafe! Im Frieden des Schlafs geborgen!"

DAS MÄDCHEN AM STRAND

Sie ging am Strande so jung dahin,
Sie dachte an nichts in ihrem Sinn.
Da kam ein Maler geschritten heran,
Der im Schatten sodann,
In des Meeres Bann,
Den Strand und sie zu malen begann.

Langsamer im Kreise ging sie dahin;
Ein einziger Gedanke, der lag ihr im Sinn:
Sie dacht' an das Bild auf der Leinewand,
Wo sie selber stand,
Sie selber am Strand,
Und im Meer mit dem Himmel gespiegelt sich fand.

Es trieb, es zog ein Traum sie dahin;
Sie dachte an vieles in ihrem Sinn:
Weit, weit übers Meer und doch so nah
Zum Strand, den sie sah,
Zum Mann allda—
Ei, was für ein sonniges Wunder geschah!

HEIMLICHE LIEBE

Er saß im Winkel allein;
Sie schwang sich lustig im Reihn.
Sie scherzte, sie lachte
Mit einem, mit zwein…
O, daß sie ihm das tun mußte!
Doch niemand war, der davon wußte.

Sie hofft' auf den Abend ein Wort.
Er sagte Lebwohl und—ging fort.
Sie weinten, ein jedes,
Sie hier und er dort,
Ob eines Lebens Verluste.
Doch niemand war, der davon wußte.

Er sah von der Erde ein Stück.
Doch Heimweh trieb ihn zurück.—
Sein Bild war geblieben
Ihr einziges Glück,
Bis daß sie zu Gott gehen mußte.
Doch niemand war, der davon wußte.