OLAV TRYGVASON

Weiß von Segeln die Nordsee blitzt;
Hoch am Steuer im Morgen sitzt
Erling Skjalgsson von Sole,—
Späht übers Meer gen Dänemark:
Wo bleibt Olav Trygvason?

Sechsundfünfzig füllten den Plan,
Harrende Drachen; gen Dänemark sahn
Sonnbraune Mannen;—da scholl es:
"Wollte der Orm nicht kommen?
Wo bleibt Olav Trygvason?"

Doch als beim nahenden Morgengraun
Noch kein Mast am Himmel zu schaun,
Schwoll der Ruf wie ein Sturm an:
"Wollte der Orm nicht kommen?
Wo bleibt Olav Trygvason?"

Stille, stille zur selben Stund
Alle standen: von Meeres Grund
Stieg's empor wie ein Seufzen:
"Längst ist der Orm genommen,
Tot liegt Olav Trygvason."

Alle hundert Jahre seither
Raunt um Norwegens Schiffe das Meer
Dumpf in mondigen Nächten:
"Längst ist der Orm genommen,
Tot liegt Olav Trygvason."

SEUFZER

Abendsonnenfunkeln
Nie durch meine Scheiben bricht,
Auch die Morgensonne nicht;—
Stets bin ich im Dunkeln.

Sonne, sprich, wann gleitet
In die Kammer mir dein Schein?
Fällt kein Strahl ins Herz hinein,
Das im Finstern streitet?

Meinem Kindersehnen,
Morgensonne, bist du gleich;
Wenn du spielst so rein und weich,
Quellen mir die Tränen.