Baard Andersen Opdal.
An Öyvind Pladsen.
Du bist wohl böse auf mich, und das tut mir sehr weh. Denn so habe ich es nicht gemeint; ich meinte es gut. Ich weiß, daß ich oft nicht so gegen Dich gewesen bin, wie ich hätte sein sollen, und deshalb will ich jetzt an Dich schreiben, aber Du darfst es keinem Menschen zeigen. Einmal ist mir's ergangen, wie ich's wünschte, und da war ich nicht nett; aber jetzt will keiner mehr was von mir wissen, und mir geht es recht schlecht. Jon Hatlen hat ein Spottlied auf mich gemacht, und das singen alle Burschen, und ich kann mich auf keinem Tanz mehr blicken lassen. Die beiden Alten wissen davon, und ich bekomme böse Worte zu hören. Ich aber sitze allein und schreibe, und Du darfst es keinem zeigen.
Du hast viel gelernt und könntest mir einen Rat geben, aber Du bist so weit fort. Ich bin oft unten bei Deinen Eltern gewesen und habe mit Deiner Mutter geplaudert, und wir sind gute Freunde geworden; aber ich darf nichts sagen, denn Du hast so sonderbar geschrieben. Der Schulmeister macht sich jetzt über mich lustig, und er weiß nichts von dem Spottlied, denn kein einziger im ganzen Dorf wagt ihm so etwas vorzusingen. Jetzt bin ich allein und habe keinen, mit dem ich sprechen kann; ich denke daran, als wir noch Kinder waren, und Du so nett zu mir warst, und ich immer auf Deinem Schlitten sitzen durfte. Und da möchte ich wünschen, daß ich wieder ein Kind wäre.
Ich darf Dich nicht mehr bitten, mir zu antworten; ich darf es nicht. Aber wenn Du mir nur noch ein einziges Mal schreiben wolltest, so würde ich Dir das nie vergessen, Öyvind.
Margit, Tochter des Knut.
Lieber Öyvind, verbrenne diesen Brief; ich weiß gar nicht, ob ich ihn überhaupt abschicken darf.
Liebe Margit!
Dank für Deinen Brief; den hast Du in einer guten Stunde geschrieben. Jetzt will ich Dir auch sagen, Margit, daß ich Dich so lieb habe, daß ich es beinahe hier nicht mehr aushalten kann, und wenn Du mich ebenso lieb hast, dann sollen Jons Spottlieder und alle bösen Worte bloß Blätter sein, wie sie an jedem Baum hängen. Seit ich Deinen Brief bekommen habe, bin ich ein neuer Mensch, denn es ist doppelte Kraft in mich gekommen, und ich fürchte mich vor nichts in der Welt. Als ich den vorigen Brief abgeschickt hatte, tat es mir so leid, daß ich fast krank davon geworden bin. Und nun sollst Du hören, was das für eine Folge hatte. Der Direktor nahm mich beiseite und fragte mich, was mir fehle; er glaubte, ich arbeitete zu viel. Da sagte er mir, wenn mein Jahr hier zu Ende sei, sollte ich noch eins hier bleiben und ganz umsonst; ich solle ihm hier und da an die Hand gehen, er aber wollte mich noch in vielem unterrichten. Da dachte ich, Arbeit sei das einzige, das mich aufrecht halten könne, und ich bedankte mich vielmals; und ich bereue es auch nicht, wenn ich jetzt auch Sehnsucht nach Dir habe; denn je länger ich hier bin, desto mehr Recht habe ich später, um Dich zu werben. Wie froh bin ich jetzt! Ich arbeite für drei, und ich will nie in irgend etwas zurückstehen. Ich will Dir aber ein Buch schicken, das ich jetzt lese, denn da steht viel von Liebe drin. Ich lese immer abends darin, wenn die andern schlafen, und dann lese ich auch Deinen Brief immer wieder durch. Hast Du Dir vorgestellt, wenn wir uns wiedersehen? Das male ich mir so oft aus, und das mußt Du auch versuchen und sollst sehen, wie schön es ist. Ich freue mich, daß ich soviel geschrieben und gearbeitet habe, trotzdem es oft schwer war; aber jetzt kann ich Dir alles sagen, was ich mag, und lache dabei in meinem Sinn.
Ich will Dir viele Bücher zu lesen geben, damit Du sehen sollst, wieviel Widerwärtigkeiten alle gehabt haben, die sich innig lieb hatten, und daß sie lieber aus Kummer gestorben sind, als daß sie voneinander gelassen haben. Und so wollen wir es auch halten, und zwar freudigen Herzens. Wohl dauert es fast zwei Jahre, bis wir uns sehen, und noch länger, bis wir uns kriegen; aber mit jedem Tag, der vergeht, ist es doch ein Tag weniger; daran wollen wir bei unserer Arbeit denken.