Dein Brief war sehr spaßig; aber er spaßte, wo er lieber nicht hätte spaßen sollen; denn Du verstandest mich recht gut, und da hättest Du wissen müssen, daß ich nicht zum Spaß fragte, sondern weil ich in der letzten Zeit nur an das gedacht habe, wonach ich fragte. Ich war in großer Not und wartete, und da bekam ich als Antwort bloß Albernheiten und Gelache.

Leb' wohl, Margit vom Heidehof, ich will nicht mehr, wie bei jenem Tanz, zuviel nach Dir schauen. Mögest Du gut essen und schön schlafen und Dein neues Tuch fertig weben, und schaufle vor allen Dingen den Schnee weg, der vor der Kirchtür liegt.

Ergeben
Öyvind Thoresen Pladsen.

An den
Ackerbauschüler Öyvind Thoresen,
Ackerbauschule.

Trotz meines hohen Alters und meiner schwachen Augen und der Schmerzen in meiner rechten Hüfte muß ich doch dem Drängen der Jugend nachgeben; denn sie braucht uns Alten, wenn sie sich festgerannt hat. Sie bittet und jammert, bis sie wieder flott ist, aber dann rennt sie gleich wieder davon und hört nicht mehr auf uns.

Also die Margit; sie schmeichelt mit vielen süßen Worten, ich möge zur Gesellschaft mitschreiben, denn sie traut sich nicht allein zu schreiben. Ich habe Deinen Brief gelesen; sie dachte eben, sie habe Jon Hatlen oder sonst einen Waschlappen vor sich, aber nicht einen, den Schulmeister Baard erzogen hat; und nun drückt sie der Schuh. Aber Du bist zu streng gewesen; denn es gibt Mädchen, die scherzen, um nicht weinen zu müssen, und zwischen beidem ist kein Unterschied. Aber es gefällt mir, daß Du das Ernste ernst nimmst, denn sonst könntest Du über das, was Scherz ist, nicht lachen.

Daß Euer Sinnen aufeinander gerichtet ist, scheint mir jetzt aus vielem ersichtlich. An ihr habe ich oft gezweifelt, denn sie war wie eine Wetterfahne; aber jetzt weiß ich, daß sie Jon Hatlen doch abgewiesen hat, worüber ihr Großvater in hellen Zorn geraten ist. Sie war glücklich, als Dein Schreiben kam, und wenn sie scherzte, so tat sie es nicht aus böser Absicht, sondern aus lauter Freude. Sie hat viel erdulden müssen, und das hat sie getan, um auf den zu warten, nach dem ihr Sinn stand. Und jetzt willst Du nichts von ihr wissen und stößt sie zurück wie ein unartiges Kind.

Das mußte ich Dir sagen, und den Rat möchte ich Dir noch geben, daß Du
Dich mit ihr wieder aussöhnst, denn Streit gibt es auch doch genug in
der Welt. Ich bin wie jener Greis, der drei Geschlechter gesehen hat.
Ich kenne die Torheiten und ihren Lauf.

Von Vater und Mutter soll ich Dich grüßen, sie warten sehnlichst auf Dich. Aber davon habe ich Dir nicht eher schreiben wollen, damit Du kein Herzweh bekämst. Deinen Vater kennst Du noch gar nicht; denn er ist wie ein Baum, der keinen Laut von sich gibt, bis er gefällt wird. Aber wenn Dir einmal etwas zustößt, dann wirst Du ihn kennen lernen, und Du wirst staunen wie einer, der einen Schatz findet. Er ist gedrückt und wortkarg in weltlichen Dingen gewesen, Deine Mutter aber hat sein Gemüt von der weltlichen Angst frei' gemacht, und jetzt klärt sich sein Lebenstag auf.

Nun werden meine Augen trüb, und die Hand will nicht mehr. Also befehle ich Dich dem, dessen Auge immerdar wacht und dessen Hände nimmer müde werden.