Sie schweigen beide; da sagt der Schulmeister: "Wollen wir nicht bei dem schönen Wetter ein bißchen an die Luft gehen?"—"Ja, das können wir. Auf den Halden draußen sind Arbeiter; sie sollen Laub holen, aber sie tun bloß was, wenn ich dabeistehe." Er stolpert nach der großen Mütze und dem Stock und sagt: "Sie mögen bei mir nicht arbeiten; ich kann das nicht begreifen." Als sie draußen waren und ums Haus bogen, blieb er stehen: "Hier, siehst Du? Keine Ordnung! Da ist das Holz durcheinandergeworfen und die Axt nicht in den Block gehauen", er bückte sich mühsam, hob sie auf und schlug sie ein. "Hier ist ein Fell heruntergefallen; aber hat ein Mensch es wieder aufgehängt?" Er tat es selbst. "Hier ist die Vorratsscheuer; meinst Du, sie haben die Treppe weggenommen?" Er trug sie beiseite. Dann blieb er stehen, sah den Schulmeister an und sagte: "So geht es einen Tag wie alle Tage."
Als sie weiter gingen, hörten sie von den Halden her fröhliches Singen. "Ach, da wird ja bei der Arbeit gesungen", sagte der Schulmeister.—"Das ist der kleine Knut Östistuen, der da singt; der holt Laub für seinen Vater; meine Leute arbeiten dahinten, die singen nicht."—"Das ist doch keine von unsern Weisen?"—"Nein, das höre ich auch."—"Öyvind Pladsen ist sehr viel auf Östistuen gewesen; es ist wohl eins von den Liedern, die er im Dorf eingeführt hat—der steckt immer voll Lieder." Hierauf kam keine Antwort.
Das Feld, über das sie gingen, stand nicht gut; ihm fehlte die rechte Pflege. Der Schulmeister äußerte das; da blieb Ole stehen. "Ich kann das nicht mehr machen", sagte er beinahe wehmütig. "Ohne Aufsicht werden fremde Arbeiter zu teuer. Aber es tut weh, über so ein Feld zu gehen, das kannst Du mir glauben."
Als sie dann davon sprachen, wie groß der Hof sei, und wo Hilfe am nötigsten täte, beschlossen sie, zu den Halden hinaufzugehen, von wo sie das Ganze überblicken konnten. Als sie nach geraumer Zeit einen hohen Punkt erreicht hatten, und das Ganze in Augenschein nahmen, wurde der Alte wehmütig: "Ich möchte nicht gerne so abgehen; ich und meine Vorfahren haben da unten redlich gearbeitet, aber viel ist nicht mehr davon zu sehen."
Da klang ein Lied über ihren Köpfen hin mit der eigentümlichen Herbheit, die eine Knabenstimme hat, wenn sie so recht forsch drauflos singt. Sie standen nicht weit von dem Baum, in dessen Wipfel der kleine Knut Östistuen saß und Laub für seinen Vater pflückte, und sie lauschten:
Willst du dich zu hohem Ziel
Ins Gebirge wagen,
Pack' ins Ränzlein nur so viel,
Als sich leicht läßt tragen!
Nimm nicht mit des Tales Zwang
In die reinen Lüfte;
Schüttle ihn mit keckem Sang
Abwärts in die Klüfte!
Vögel grüßen dich im Chor,
Fern dem giftigen Brodem,
Und mit jedem Schritt empor
Freier wird dein Odem.
Frohen Herzens jauchze laut;
Kindheit, längst vergangen,
Nickt dir aus Gebüsch und Kraut
Zu mit roten Wangen.
Stehst du still von Zeit zu Zeit,
Andachtsvoll zu lauschen,
Wird ins Ohr der Einsamkeit
Hohes Lied dir rauschen.
Wo ein Bach den Fels durchbricht,
Wo ein Stein im Rollen,
Hörst du der versäumten Pflicht
Mächtiges Donnergrollen.
Zittre, bete, banges Herz,
Sei zur Buße fertig!
Heb den Blick dann gipfelwärts,
Deines Heils gewärtig.
Dort wie einst geht Jesus Christ,
Wandeln die Propheten;
Wohl dir, wenn du würdig bist,
Ihnen nachzutreten.
Ole hatte sich niedergesetzt und das Gesicht in den Händen vergraben. "Nun will ich mit Dir reden", sagte der Schulmeister und setzte sich neben ihn.