Der Schulmeister läßt sich Zeit, holt seine Brille heraus, um den Titel des Buches zu lesen, wischt sie ab und setzt sie auf. "Du wirst alt, Ole."—"Ja, darüber wollte ich ja gerade mit Dir reden. Es geht rückwärts mit mir; bald liege ich flach."—"Dann sorge dafür, daß Du gut liegst, Ole."—Er macht das Buch zu und sieht aus dem Fenster.
"Das ist ein gutes Buch, was Du da in der Hand hast."—"Es ist nicht schlecht; bist Du oft über den Einband hinausgekommen?"—"Jetzt in der letzten Zeit, ja—".
Der Schulmeister legt das Buch fort und steckt die Brille wieder ein. "Dir geht es wohl nicht nach Wunsch, Ole?"—"So lang ich denken kann, nicht."—"Ja, so ist's mir auch gegangen. Ich lebte mit einem guten Freund in Unfrieden und dachte, er müsse zu mir kommen, und solange war ich unglücklich. Schließlich kam ich auf den Einfall, zu ihm zu gehen, und seit der Zeit war alles gut."—Ole sieht auf und schweigt.
Der Schulmeister: "Wie findest Du denn, daß es mit Deinem Hof geht, Ole?"—"Rückwärts wie mit mir selbst."—"Wer soll ihn haben, wenn Du nicht mehr bist?"—"Das weiß ich ja eben nicht; das quält mich ja gerade!"
"Bei Deinen Nachbarn steht es jetzt sehr gut, Ole."—"Ja, die haben ja auch den Agronomen als Hilfe."
Der Schulmeister, der sich gleichgültig nach dem Fenster umwendet: "Du müßtest auch Hilfe haben, Ole. Sehen kannst Du nicht mehr ordentlich, und von der neuen Landwirtschaft verstehst Du nicht viel."
Ole: "Wer sollte mir wohl helfen?"—"Hast Du schon einen darum gebeten?"
Ole schweigt.
Der Schulmeister: "Ich habe mich auch lange so mit dem lieben Gott gestanden.—Du bist gar nicht gut gegen mich, sagte ich zu ihm.—Hast Du mich darum gebeten? fragte er. Nein, das hatte ich nicht getan; da bat ich denn, und seit der Zeit ist es mir recht gut gegangen."—Ole schweigt, und da schweigt auch der Schulmeister.
Schließlich sagt Ole: "Ich habe ein Großkind; sie weiß, womit sie mir eine Freude machen könnte, ehe sie mich forttragen, aber sie tut es nicht."—Der Schulmeister lächelt: "Vielleicht wäre das für sie keine Freude." Ole schweigt.
Der Schulmeister: "Dich drückt allerhand, aber soweit ich es beurteilen kann, dreht sich doch alles schließlich um den Hof."—Ole sagt leise: "Er ist schon so lange in der Familie, und es ist guter Boden. Alles, was Vater und Großväter zusammengerackert haben, liegt in ihm, aber jetzt will nichts mehr gedeihen. Wenn sie mich hinausfahren, weiß ich ja nicht einmal, wer nach mir hineinfährt. In der Familie bleibt er nicht."—"Aber Deine Großtochter ist doch noch da."—"Wie wird aber der Mann, der sie bekommt, mit dem Hof umgehen? Das möchte ich wissen, ehe ich mich zur Ruhe lege. Es ist nicht mehr viel Zeit zu verlieren, Baard,—nicht für mich noch für den Hof."