Doch als er die Heimatküste berührt,
Wo alle sich hastig am Strande scharen,
Um staunenden Blicks den Mann zu gewahren,
Der Oegers seestarkes Schiff nun führt,—
Fällt rötlich der Abendsonne Strahl
Auf Segel und Schiff und den Helden zumal.
Er steuert so mutig, daß rings im Rund
Sie angstvoll rufen: "Er geht zu Grund!"
Er lenkt das Schiff in den wildesten Braus,
Hinlächelnd zu ihnen: "Darf jetzt ich hinaus?"
Das Gedicht wurde mit bebender Stimme, feierlich und ohne eine Spur von Ziererei vorgetragen. Alle standen da, als sei zwischen ihnen ein hoher, hoher Lichtstrahl aus der Erde hervorgebrochen im Regenbogenglanz. Keiner sprach, keiner rührte sich;—der Kapitän aber konnte es nicht lange aushaken, er sprang auf, schnaufte, reckte sich und sagte: "Ja, ich weiß nicht, wie es Euch andern ergeht; aber wenn ich auf die Art angefaßt werde, dann muß ich, der Teufel hol's—"—"Herr Kapitän, nun hast Du wieder geflucht", sagte das kleine Mädchen und drohte ihm mit dem Finger; "nun kommt der Teufel gleich und holt Dich!"—"Ja, das ist mir ganz egal, Kind, laß ihn nur kommen, denn jetzt muß ich, hol's der Teufel, ein patriotisch Lied hören!" Ohne weiteres setzte sich Signe ans Klavier, und die frohe Gesellschaft sang:
Ich will schützen mein Land,
Ich will bauen mein Land,
Will es lieben in meinem Gebet, meinem Kind,
Will ihm mehren die Macht,
Will es wissen bewacht
Bis hinaus zu dem Fischer in Wellen und Wind.
Hier ist Sonne genug,
Hier ist Saatgrund genug,
Wenn nur uns es, nur uns es an Liebe nicht fehlt.
Hier ist schöpfrischer Drang,
Der des Werkeltags Gang,
Wenn wir einig ihm folgen, beschwingt und beseelt.
Wir befuhren das Meer
Und die Ströme umher,
In den Landen rings ragt manch normannischer Turm.
Doch noch weiter fliegt heut
Unser Banner und beut
Seine purpurne Brust immer stärkerem Sturm.
Und noch vor uns liegt viel;
Denn wir haben ein Ziel,
Und dies Ziel ist der Tag, der drei Stämme verschweißt.
Was du tust, sei ein Zoll
An ein heiliges Soll,
Sei ein Quell in den Strom, der die Dämme zerreißt.
Diese Scholle ist mein
Und wird teuer mir sein,
Wie sie's ist, wie sie's war, so in Drangsal wie Glück.
Und wie sie uns geliebt,
Diese Heimat, so gibt
Unser dankbares Herz ihr nun Liebe zurück.
Signe stand vom Klavier auf, trat auf Petra zu, legte den Arm um sie und zog sie in das Arbeitszimmer, wo weiter niemand war.—"Petra, wir wollen wieder Freunde sein!"——"O Signe, endlich verzeihst Du mir!"—"Jetzt kann ich alles tun, was ich soll! Petra, liebst Du Ödegaard nicht?"——"O Gott, Signe!"—"Petra, das habe ich vom ersten Tage an geglaubt,—und ich habe gedacht, er sei jetzt endlich gekommen, um———bei allem, was ich seit zweieinhalb Jahren für Euch gedacht und getan habe, habe ich dies vor Augen gehabt, und Vater hat es auch geglaubt; er hat jetzt sicher auch mit Ödegaard darüber gesprochen."—"Aber, Signe—!"—"Schscht!" sie legte die Hand auf den Mund und lief aus dem Zimmer; man hatte sie gerufen; man wollte zu Tisch gehen.
Bei der Abendtafel gab es Wein, weil der Propst beim Mittagessen nicht zugegen gewesen war. Aber der Propst, der die ganze Zeit über sehr ernst und sehr still gewesen war, saß auch jetzt da, als sei außer ihm kein Mensch im Zimmer, bis man von Tisch aufstehen wollte. Da schlug er an sein Glas und sagte: "Ich habe eine Verlobung zu verkünden!"—Alle blickten zu den jungen Mädchen hin, die nebeneinander saßen, und die beiden wären vor Schreck fast vom Stuhl gefallen.