Spann ihn sein Weib mit dem Zauberspiel
Unter der Birken Schleier
Mitten in duftender Blumen Gewühl
Ein in des Walddomes Feier,—

Kamen die Töchter dann lieblich und leis
In ihrer Unschuld Klarheit,
Fächelten Kühlung der Stirne heiß,
Sprachen von kindlicher Wahrheit,—

War er bald mitten in Spiel und Lied
Zärtlich von Tönen umfangen,
Wolken zerrannen, und hoch im Zenit
Jubelnd Millionen sangen.

Doch wie in des Herbstes stiller,
Traumhaft schwerer Abenddämmrung
Wetterleuchten die Gedanken
Schreckhaft auf Gewitter lenket,—
Oder wie ein Schlag im Boote,
Das in stiller zarter Mainacht
Schläfrig zwischen Felsen gleitet,—
Nur ein einziges leises Plätschern,—
Doch das Echo jagt es weiter,
Jagt's von Fels zu Fels, die Drossel
Flattert auf, es kreischt das Birkhuhn,
Lauschend hebt das Reh sein Köpfchen,
Steine rollen, wach wird alles:
Hunde heulen, Glocken gellen,
Weckend all des Tages Lärmen,—
Also könnt' ihm ein Erinnern,
Daunweich nur im Spiel gefallen,
Wecken der Gedanken Heerschar.

Und dann jagte es durchs Weltall,
Und dann flammt's in seiner Seele,
Doch es ward zu Licht für andre.

Rassenursprung, Wortverzweigung,
Namenquell, Gesetzverwandtschaft,
Groß und Klein in gleichen Qualen,
Gleichen Zweifeln jagt zum Ziele.
Wo nur Steine andre sahen,
Sah er's glitzern, sah er's funkeln,
Sprengte er den Schacht zum Bergwerk.
Und wo andre vor dem sichern
Funde des Jahrhunderts standen,
Griff ihn Zweifel, und er wühlte
Tag und Nächte bis zum Grunde,
Grub—und sah den Fund versinken.

Doch es ließ sein rastlos Wollen,
Das so vielen Kraft gespendet,
Oftmals übers Ziel ihn schießen.
Klarheit, die er ändern schenkte,
Trog ihn selbst als neue Ahnung.

Darum: wo er schon gewesen,
Kehrte er nur ungern wieder.
Stoff so oft wie Arbeit wechselnd,
Floh er vor dem eignen Denken.
Das Gedachte aber hielt ihn,
Folgte, wuchs gleich einem Brande,
In Brasiliens Wald geschleudert,
Prasselnd vor der Windsbraut fliehend.
Wo kein Menschenfuß gegangen,
Fraß sich's Weg für Millionen.

Nordens Reich streckt seinen Busen
In des Eismeers frostige Nebel,
Finsternis der Wintermonde
Lastet schwer auf Meer und Bergen.
Und den Landen gleich, erstreckt sich
Auch des Volkes tiefste Wurzel
Weit hinein in Nacht und Nebel.
Doch wie durch die Nacht ein Leuchtturm,
Doch wie Nordlicht durch Polarnacht
Blinkte leuchtend sein Gedanke.
Zärtlich wie nach seines Vaters
Angedenken frug er eifrig,
Forschend nach des Volkes Wegen.
Namen, Gräber, rostige Waffen,
Steine brachten ihm die Antwort.
Über Asiens Urwaldberge,
Wüstensand und öde Steppen
Sah er Karawanenspuren
Unterm Moder von Äonen
Heimatsuchend nordwärts deuten.
Wie einst sie den Flüssen folgten,
Folgte ihnen all sein Denken,
Das so reich ins Weltall strömte.—

Sieh, es war ja nur Versöhnung,
Was sein rastlos Schaffen wollte,
Doch die fand er nicht;—statt dessen
Fand er neue Wunderdinge,
—Ganz wie jene Alchymisten,
Die im Suchen nach dem Golde
Zwar nicht Gold, doch Kräfte fanden,
Die noch heut die Welt bewegen.