Tief im Grunde barg sein Wesen
Eine Kraft des Gegensatzes,
So daß Töne, angeschlagen
Von des Nordens hehrer Saga,
Mild harmonisch weiterklangen
In der Sehnsucht nach dem Süden.
Und es war des Auges Flamme,
Des Gedankens Blitz verwandt dem
Feuer des Improvisators
In dem heißen Land der Trauben.
Und sein leichter Stimmungswechsel
Und der Feuergeist, der Frondienst
Tat den lieben langen Winter,
Doch die Frucht oft spielend wegwarf,—
Jener unermessene Reichtum,
Drin Gedanken, Launen, Töne,
Leid und Wonne, Ernst und Frohsinn
Unaufhörlich glitzernd spielten,—
Das war wie ein Tag im Süden.

Eine Reise war sein Leben
Unaufhaltsam drum gen Süden,
Durch das Nebelland des Ahnens,
Aus dem Dunkeln in das Klare,
Aus dem Kalten in das Warme,—
Und sein Wirken war die Brücke
Über Berg und Meeresströmung.

——O, und dann des Glückes Stunde,
Da mit Weib und Spielgefährten,
Seinen kindlich frischen Töchtern,
Er dort stand, wo Abendsonne
Kapitol und Forum grüßte,—
Wo aus tiefem Grund der Weltstadt
Weisheit und Erkenntnis sprudeln;—-
Wo jetzt Klarheit, ätherreine,
Die Jahrtausende erleuchtet,
Die zur Ruhe hier gegangen;—
Wo dem Forscher aus dem Norden
War, als sei er allzulange
Irr im Nebel nur gerudert
Auf den tiefen, breiten Fjorden;—
Stand, wo Tote ihre Gräber
Sprengen und als Zeugen schreiten
In der schweren Marmortoga;
Wo die Göttinnen von Delos
In die Freskensäle tanzen
Wie einst vor zweitausend Jahren;—
Wo der Erde wachsend Werden
Pantheon und Kolosseum
Stolz in ihrem Schoße bargen;—
Wo ein Hermes dort am Eckstein
Cato würdig schreiten sah als
Pontifex im Priesterzuge,—
Nero als Apollon schaute,
Opferrauchumhüllten Wahnes,—
Gregor schaute, zornig reitend
Als der Geisterscharen Herrscher
Über alle Erdenreiche,—
Cola di Rienzi schaute,
Huldigend der Freiheitsgöttin
Bei des Römervolkes Jauchzen,—
Sah der Kirche Geistesfürsten,
Leo, sich statt Christus wählen
Aristoteles und Plato;—
Sah dann die katholische Kirche
Stärkre Zeiten neu errichten,
Bis der Franzmann sie zertrümmert,
Und Natur zur Gottheit wurde,—
Sah aufs neu' die alten Frommen
Dann in Prozessionen wallen
Mit dem Lamm als Weltbeherrscher!—
All das sah der kleine Hermes
Dort am Eckstein hinterm Tempel,
Und es sah der nordische Weise
Ihn und seine Visionen.—

—Ja, als er in der Geschichte
Hehrer Klarheit Rom erblickte,
Und sein Auge sinnend streifte
Abendsonnumflammte Höhen,—
Flossen seiner Sehnsucht Strahlen
Über in entzückte Ahnung.
Und—er sah in eine Kirche,
Größer als der Dom des Weltalls,
Und ein Friede sank hernieder,
Über alles Jetzt erhaben.—

Und als er zum zweiten Male
Dorthin kam, durch langer Tage
Müh' und Fleiß—als gält's Erlösung,—
Da ging Gott ihm selbst entgegen,
Führte ihn hinauf und sagte:
"Friede mit dir, du bist Sieger!"

Doch zu uns, die klagen wollten, Wandte Gott sich um und sagte: "Wenn ich rufe, wer darf sagen, Der Berufne sei nicht fertig?"

Er, der stirbt, er war hier fertig!
Sieh, das glauben wir im Schmerze.
Und daß Er, der allen Forschern
Jene Ruhelosigkeit gegeben
(Die Kolumbus trieb und Newton),
Weiß, wann Ruhe kommen soll.

Aber jenen Geistesscharen,
Die verklärt zur Heimat wallen,
Blicken starr wir nach und fragen:
Wer soll abermals sie sammeln?

Denn, wenn er den Kriegspfeil schnitzte,
Strömten sie von allen Ländern:
Schweden, Dänemark und England
Und von Frankreich her zusammen;
Übers Meer die Schiffe flogen
Seinem Banner rasch entgegen.

Die gewaltige Königsflotte
Lag vor Anker hier am Strande,
Und es ward uns zur Gewohnheit,
Sie zu sehn und zu befragen
Nach Eroberung und Fahrten.