Nichts ist so klein, daß nicht Kleinres bestünde
Unsichtbar.
Nichts ist so groß, daß nichts Größres bestünde
Ferne von ihm.
In der Erde der Wurm
Ist Berge zu bauen imstand'.
Der Staub im Sturm
Oder der rinnende Sand,
Reiche hat er gegründet einst.
Unendlich das All, und Großes und Kleines
Verschmelzen darin.
Kein Auge wird schauen das Ende—keines
Sah den Beginn.
Der Ordnung Gebot
Hat lebenerhaltend das All beseelt;
Furcht und Not
Zeugen einander; was uns quält,
Wird zum Born, der die Menschheit stählt.
Ewigkeitssamen sind wir, die leben.
Im Schöpfungstage
Wurzeln unsre Gedanken; sie schweben,
Antwort wie Frage,
Saatenvoll,
Über dem ewigen Grunde;
Frohlocken drum soll,
Wer in einer schwindenden Stunde
Mehrte die Erbschaft der Ewigkeit.
Tauch' in die Wonnen des Lebens, du Blüte
Im Frühlingsrain;
Genieße, preisend des Ewigen Güte,
Dein kurzes Sein.
Füg' auch du
Schaffend dein Scherflein hinzu;
Klein und zag,
Atme, soviel deine Kraft vermag,
Einen Zug in den ewigen Tag!
III
Chor
Wer bist du, von tausend Zeiten und Zungen
Mit tausend Namen genannt?
Du hieltst unsre Sehnsucht mit Armen umschlungen,
Warst Hoffnung den Vätern ins Joch gebannt;
Warst Ängsten des Todes der nachtdunkle Gast,
Warst Lebensfesten der Sonnenglast.
Noch bilden wir alle verschieden dein Bild,
Noch nennen wir jedes Offenbarung,
Und jedem seins für das wahre gilt—
Bis daß es zerbricht in bittrer Erfahrung.
Solo
Ach, wer du auch seist,
In mir ist dein Geist;
Meiner Seele ewiger Ruf—das bist du!—
Nach Licht und nach Recht,
Nach Sieg im Gefecht
Für den kommenden Tag, das bist du, das bist du!—
Ein jedes Gebot,
Das ins Aug' uns loht,
Oder das nie uns bewußt, das bist du!—
Mein Leben ruht
In schirmender Hut,
Und es jubelt in mir: das bist du, das bist du!
Chor