Mit einem Male taumelte der Satyr hin und wollte sich verkriechen. Ihm war, als wenn der Boden unter ihm wiche. Licht stürzte ihm flutend entgegen, Licht, so überwältigend unermesslich, dass es ihn schmerzend auf die Kniee zwang.
Vor sich sah er die unsterblichen Götter in ihrer ewigen Freude. Unsichtbar fast, bei aller Sichtbarkeit, denn das Unfassliche blendet. Am weitesten vorn erblickte er Venus. In übersinnlicher Schönheit, faltenbefreit, lag sie da, nackt hingeschmiegt, wie weisser, sich wiegender Schaum, von heiss verlangendem Leuchten umflirrt. Und das Leuchten war die Glut aller Augen und Wünsche, die auf ihr weilten. In ihrem Goldhaar schienen die Wellen des Weltmeers zu spielen …
Auf einem Adler ruhte Jupiters Fuss. In seinen Augen sah man das All in Bildern. In dem einen Auge die Welt, die gewesen ist, in dem andern die Welt, die werden soll. Aus dem Hintergrunde her kam Kupido gegangen, der aus Lichtstrahlen Geborene …
Himmlische Musik, tausend Melodieen voll von seliger Freude umwogten die hohen Götter. Wohin man schauen mochte, war Festglanz. Denn der Himmel spiegelte der Götter Schönheit wider. Das All sang ihnen Lob und Preis, weil sie die Herren der Welten waren. Die Tiere liebten ihren Bogen, der ihnen den Tod gab. Die Menschen beteten der Unsterblichen todbringende Speere an. War aber einer unter ihnen, der die Himmlischen hasste: auch sein Hass wurde frommer Gesang zu ihren Füssen.
Jetzt liess Herkules den Satyr los, und versetzte ihm einen Puff, dass er kopfüber hinpurzelte. Und dann stand er da, der zottige Geselle, mit gesträubten Borsten, finster und hässlich. Doch in seinen Augen sprühte ein feuriger Funken auf …
Da die Himmlischen seiner ansichtig wurden, brach rundum ein schallendes Gelächter los, so übermütig und lärmend, dass es von den Gestirnen widerklang. Ein felsengefesselter Riese hob den Kopf und brummte: »Was für einen Kunden haben die Seligen denn da zu fassen bekommen?«
Begonnen mit dem Lachen hatte Jupiter. Neptuns Gelächter rief einen Orkan hervor; unermessliche Schätze gingen in dem Sturmeswüten zugrunde. Aber Neptun musste weiter lachen, er konnte nicht aufhören. Venus wandte den Kopf und fragte, was denn der Bursche hier solle, Diana griff ganz unwillkürlich nach einem Pfeil ihres Köchers. Die Tauben schlossen die Augen. Die Pfauen schlugen ein Rad, mit bitterbösem Schreien. Und die Göttinnen lachten, so wie eben alle Weiber zu lachen pflegen …
Als der Satyr sie erblickt hatte, glotzte er ungeniert von einer zur andern, von einer zur andern, die ganze Reihe entlang, und torkelte schliesslich auf Venus zu. Aber ihre schneeweissen Füsse blendeten ihn dermassen, dass er nicht zu ihr hin gelangte. Das brachte den weiten Kreis der Götter wieder so fürchterlich zum Lachen, dass Dianens Hunde in wilder Rotte kläffend den Berg Öta hinabrannten …
Und dann hörten sie alle Jupiters Stimme: »Du verdientest zu Marmor versteint zu werden, oder in Wasser zu zerfliessen, oder auseinandergezerrt zu werden wie ein Baum. Jedoch – du hast uns zum Lachen gebracht. Es war ein herzerfreuendes Lachen! Darum magst du zurückkehren nach dem raunenden Walde am See. Doch vorher, Bursche, musst du uns noch einen deiner wilden Tiergesänge singen. Der Olymp will dich hören!«
Der Bocksfüssige antwortete: »Herkules – Herkules hat meine Rohrflöte entzweigetreten! Ohne die geht es nicht.«