Philipp der Zweite war der Böse mit dem Schwert. Ein Grauen packte jeden schon, wenn er den Hofmeister des Königs sah.
Der Schrecken hatte Philipp gross gemacht, so gross, dass er einem Gotte glich. Sein finsterer, harter Wille bestimmte das Schicksal vieler Millionen. Er umklammerte Amerika und Indien, auf Afrika stellte er seinen Fuss, und der Herr war er in Europa. Nur England machte ihm Unruhe. Sein Mund war stumm. Sein rätselvoller Geist grübelte und hatte Gemeinschaft mit den Mächten der Nacht.
Immer kleidete er sich in Schwarz, als ginge er immer in Trauer. Er glich einer Sphinx, die sann und schwieg. Da er doch alles war, weshalb sollte er da noch sprechen? Keiner hat ihn je lächeln gesehn. Aber in seinen Augen war mitunter ein seltsames Feuer: das war der Widerschein von Scheiterhaufen, die er für Ketzer errichtete.
Wenn der König ganz still an irgend jemand dachte und dachte, so fühlte der es und sagte: mir geht es heute nicht gut.
Wenn der König betete, wollten manche es donnern gehört haben, und schauten aus dem Fenster, ob es blitzte …
Je länger er in Gedanken hinausstarrte auf das Meer nach der Armada, um so grösser wurde die Flotte. Er sah sie so, wie es seine Natur war, und er dachte: die Schiffe segeln in gleichen Reihen, mit gleichem Abstand zwischen den Reihen und zwischen den Schiffen. Eine endlose Folge von Quadraten also, Maschen in einem Fischernetz. Und jedes Schiff ein Maschenknoten. Das Netz schiebt sich meilenweit über das Meer hin, um England zu fangen.
Er sah nicht allein, er hörte; hörte Matrosen auf dem Deck laufen, hörte Kommandorufe, Bootsmannspfeifen, Trommelwirbel, – denn ein ganzes Heer war an Bord –, er sah Signale auf- und niedersteigen, er hörte das Krachen der Maste und Stangen, er hörte das Schlagen der Segel: klar zum Gefecht wurde gemacht. – Es war ein furchtbares Getöse auf dem Meer von dieser ungeheuren Kriegsflotte.
»Endlich werde ich das bleiche England fassen. Endlich hab' ich es in meiner Hand.«
Als Beit Cifresil, der Sohn von Abdallah-Beit, den tiefen Brunnen in Kairos grosser Moschee gegraben hatte, schrieb er an den Brunnenrand: »Der Himmel ist Gottes, mein ist die Erde.« Diese Sultansworte dachte jetzt Philipp …